"Lebenslanges Lernen ist wichtig für Ordensleute"

Kapuziner Harald Weber ist Ausbildungsleiter der Deutschen Kapuzinerprovinz und leitet den Konvent des Klosters zum Mitleben in Stühlingen. Warum Bruder Harald lebenslanges Lernen für wichtig hält, welche Entwicklungen es im Noviziat gibt und was er selber in Sachen Fortbildung plant, sagt er im Interview.

Bruder Harald, Sie sind „Ausbildungsleiter“ der Deutschen Kapuzinerprovinz. Was bedeutet das?

Das ist eine gute Frage, denn es gibt nicht das eine spezielle Thema, sondern viele Dinge, die ineinandergreifen. Einfach gesagt geht es darum, das Thema der Ausbildung innerhalb des Ordens zu stärken und alle verantwortlichen Akteure zu vernetzen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff „Ausbildung“?

Wenn wir von Ordensausbildung sprechen, dann reden wir über eine ständige Aus- und Weiterbildung. Die Grundausbildung, die vom Postulat bis zum Juniorat geht, soll uns als Kapuziner zu Männern machen, die ein Leben lang am Ball bleiben und immer an sich arbeiten. Lebenslanges Lernen ist wichtig für Ordensleute.

Wie bringt man die Mitbrüder dazu, sich fortzubilden?

Wenn ein ganzes Leben versäumt wurde, sich fortzubilden, dann wird es in diesem Fall natürlich schwer. Und es gibt auch ganz unterschiedliche Typen, was das Bedürfnis nach lebenslangem Lernen angeht. Ich wünsche mir ein Bewusstsein dafür in der Provinz und bei meinen Brüdern und möchte dafür sorgen, dass genügend attraktive Angebote zur Fortbildung bestehen. Wenn es gute Möglichkeiten gibt, werden diese auch genutzt, da bin ich mir sicher.

Was sind das für Weiterbildungen, können Sie Beispiele nennen?

Es geht auf der einen Seite darum, spirituell am Ball zu bleiben. Beispiele sind Exerzitien oder spirituelle Begleitung. Kapuziner sollen in der Lage sein, sich und ihr Handeln zu reflektieren und auch Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und auf der anderen Seite gibt es ganz handfeste, inhaltliche Themen in ganz konkreten Arbeitsbereichen, etwa pastorale Fortbildungen oder das Erlernen einer Fremdsprache.

Sie sind auch Verbindungsmann nach Camerino. Dort absolvieren angehende Kapuziner seit kurzem ihr Noviziat, zurzeit drei junge Deutsche, ein Franzose und ein Italiener.  

Camerino ist das erste Kloster unseres Ordens und seit vielen Jahren das gemeinsame Noviziat der mittelitalienischen Provinzen. Wir haben als deutsche Kapuzinerprovinz in den letzten Jahren gemerkt, dass es für uns schwieriger wird, ausreichend und passende Ausbilder und eine gute Anzahl an Kandidaten zu finden. Es ist wichtig, in der Ausbildung im Austausch mit anderen Personen gleichen Alters zu stehen, das konnten wir mit einer nationalen Lösung nicht mehr gewährleisten. Darum haben wir uns entschieden, unsere deutschen Novizen in Zukunft nach Italien zu schicken.

Die drei sind nun Gast in einem italienischen Noviziat. Würde es auf Sicht Sinn ergeben, ein gemeinsames, neues Projekt aufzusetzen?

Ja, das ist eine Idee des Generalministers in Rom. Sein Plan ist, in Europa drei länderübergreifende Noviziate zu schaffen. Ob das so realisierbar ist, werden die Diskussionen in der nächsten Zeit zeigen. Ein internationales Noviziat in Europa ist auf jeden Fall eine interessante Option.

Was lernt man eigentlich im Noviziat?

Das Noviziat ist die zweite Ausbildungsstufe nach dem Postulat, dem Kennenlernen. Das Noviziat ist ein sehr intensives Einleben in die kapuzinische Lebensart, so würde ich es formulieren. Der wichtigste Punkt: Die Kandidaten sollen in eine gute und nachhaltige Gottesbeziehung finden. Und dann geht natürlich auch um eine Wissensvermittlung: Die Brüder lernen dort viel über Franziskus, die Satzungen und die franziskanische Spiritualität. Nicht zuletzt geht es um den Alltag als Kapuziner: Die Novizen leben in einem Konvent und arbeiten im Haushalt und Garten mit, sind also als Kapuziner im Konvent vor Ort voll eingebunden.

Wie viele Novizen schließen eigentlich den Weg der Ausbildung am Ende mit der Ewigen Profess, also der endgültigen Bindung an den Orden, ab?

Ich würde sagen, dass knapp die Hälfte am Ende die ewigen Gelübde ablegt.

Woran liegt es, dass einige die Ausbildung abbrechen?

Das hat sehr unterschiedliche und individuelle Gründe. Einige tun sich sehr schwer, eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Manche wollen sich zu 100 Prozent sicher sein und scheitern dann an diesem Anspruch. Ein wichtiges Thema ist auch das Thema Frust und Frustrationstoleranz. Wie geht jemand damit um, wenn es die Gemeinschaft nicht schafft, seinen Idealen zu 100 Prozent zu entsprechen? Die Frage nach Sexualität und Beziehungen ist natürlich auch eine Frage, die jemanden durch die Ausbildung – und im Übrigen auch in der Zeit danach – begleitet und zu einer Entscheidung gegen den Orden führen kann.

Sie haben als Ausbildungsleiter über lebenslanges Lernen Ihrer Brüder gesprochen: Was ist eigentlich Ihr persönliches Projekt zurzeit?

Ich habe vor wenigen Monaten eine Fortbildung begonnen für Menschen, die in der Kirche Leitungsfunktionen übernehmen. Und auf lange Sicht würde ich sehr gerne eine Exerzitienmeister-Ausbildung machen.

Bruder Harald, danke für das Gespräch!

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