Priester statt Lehrer: Weihesakrament für Bruder Jens

Biologie- und Deutschlehrer wollte Jens Kusenberg werden. Es kam jedoch ganz anders. Am Sonntag, dem 6. September, wird Bischof Dr. Felix Genn den 39-jährigen Kapuziner aus Oberhausen-Osterfeld im Münsteraner Dom zum Priester weihen. Am 27. September feiert der Neupriester seine Heimatprimiz in St. Marien-Rothebusch in Oberhausen. Auf der Website Kirche-und-Leben.de wird der Weihegottesdienst am Sonntag ab 14 Uhr live übertragen.

„Ich freue mich darauf, mit den Menschen Gott zu suchen“, sagt Br. Jens. „Nur weil ich im Orden bin und zum Priester geweiht werde, habe ich Gott ja nicht. Wenn man ihn zusammen sucht, ist es einfacher für den Einzelnen und die Einzelne. Ich freue mich darauf, mit den Menschen Versöhnung, Eucharistie, Taufe, Hochzeit und Krankensalbung zu feiern. Ich bin so glücklich, dass ich das alles mit verschiedenen Menschen tun darf.“

Lange hat er sich auf seinen Dienst vorbereitet. Wegen der Coronakrise musste seine für April geplante Weihe in den Herbst verlegt werden und findet jetzt am 6. September im Dom zu Münster statt.

Vom Referendariat in den Orden

Br. Jens hatte nach dem Abitur in Oberhausen Biologie, Germanistik und katholische Theologie auf Lehramt studiert. Bereits in dieser Zeit an der Uni Essen kam die Frage nach seinem zukünftigen Beruf auf. Er suchte nach radikaleren Lebensformen. Dafür beschäftigte er sich mit der Bibel und der Spiritualität verschiedener Ordensgemeinschaften. Besonders der heilige Franz von Assisi sprach ihn in seiner Christus-Nachfolge an und er entschloss sich, bei den Kapuzinern, einem franziskanischen Reformorden aus dem 16. Jahrhundert, einzutreten. Zuvor beendete er seine zweijährige Referendariatszeit mit dem 2. Staatsexamen.

Nach der Ausbildung zum Gymnasiallehrer folgte ab 2010 dann die Einführung ins Ordensleben in Brig/Schweiz, Salzburg/ Österreich und Münster/Westfalen. Dort studierte er an der ordenseigenen Hochschule. Seine Magisterarbeit schrieb er über den geistlichen Schriftsteller Thomas Merton, der sich mit Meditation und stillem Gebet auseinandersetze. Nach dem Ende des Theologiestudiums verbrachte Br. Jens acht Monate im Norden Albaniens, um dort den deutschen Kapuziner Andreas Waltermann im sozialen und pastoralen Einsatz zu unterstützen. Nach dieser Erfahrung und insgesamt neun Jahren Ausbildung und Abwägung entschied sich Bruder Jens 2019 mit den ewigen Gelübden auf Lebenszeit für ein Leben im Kapuzinerorden.

Pastorale Erfahrung sammelte er anschließend in der Gemeinde St. Ignatius in Frankfurt a. M. Als die Coronakrise viele pastorale Aktivitäten einschränkte, übernahm er mit anderen Mitbrüdern den Dienst im Franziskustreff im Kapuzinerkloster Frankfurt. So konnten auch währen des Lockdowns weiterhin bis zu 200 arme Menschen täglich mit einem Frühstück versorgt werden. Von Juni bis August wirkte Jens Kusenberg als Ansprechpartner für jugendliche Strafgefangene und für die Justizbeamten in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg. Im Oktober beginnt er seinen Dienst als Kaplan im Pfarrverband Isarvorstadt in München.

Ein Interview mit Br. Jens zu seiner Berufung als Priester lesen Sie auf hier.

Text: Br. Helmut Rakowski
Foto: Kapuziner