Etablierte Unterkunft für Pilger auf dem Jakobusweg

Das Kloster Werne im Münsterland bietet seit zehn Jahren Schlafplätze für Pilger an, die auf dem Jakobusweg unterwegs sind. Über 1000 Menschen kamen auf diese Weise zu den Kapuzinern. Für die Brüder in Werne sind die Pilger ein großes Geschenk.

Es war der 11. April 2007, als Pater Suitbert Telgmann den ersten Jakobspilger im Kloster Werne begrüßte. In den Wochen zuvor hatte der inzwischen verstorbene Kapuziner die Renovierung von drei leerstehenden Räumen im alten „Pesthaus“ vorangetrieben. Ein Gebäude, in dem die Mitbrüder gelebt hatten, die sich im 17. und 18. Jahrhundert um die Pestkranken der Stadt kümmerten. Nun sollten hier künftig Pilger ein Lager für die Nacht bekommen. Zwei Doppelzimmer und ein Einzelzimmer stehen zur Verfügung, ein Zustellbett ebenso. Und Platz für die Luftmatratze eines Pilgers findet sich zur Not auch. Der Guardian der Klostergemeinschaft in Werne, Pater Romuald Hülsken, weist niemanden ab. „Reservierungen sind nicht zwingend erforderlich, aber empfehlenswert, da die Zahl der Betten doch recht klein ist und die Nachfrage in den Monaten von April bis Oktober sehr groß“, sagt Pater Romuald.

Die Pilger kommen aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Belgien, Italien und Polen. Auch viele Deutsche sind unter ihnen. Es sind Frauen und Männer, Alte und Junge, die den Jakobusweg im Münsterland gehen und Zwischenstation in Werne machen. „Wer bei uns einkehrt, geht den Weg nach Santiago entweder in Etappen oder läuft die Gesamtstrecke innerhalb eines halben Jahres“, erzählt Pater Romuald. Zusammen mit Bruder Wolfgang und Bruder Tobias bietet er den Gästen mehr als nur ein Bett für die Nacht. „Alle Pilger werden von uns Kapuzinern morgens nach der Eucharistiefeier zum Frühstück eingeladen. Dabei entwickeln sich oft interessante und bereichernde Gespräche.“

Mehr als nur ein Bett für die Nacht

Gespräche, die auch die Pilger sehr zu schätzen wissen, wie in zahlreichen Einträgen im Pilgerbuch zu lesen ist: „Vielen herzlichen Dank für die tolle Aufnahme und die Freundlichkeit, die ich erfahren durfte. Ich danke auch für die Gedanken am Morgen und die Worte beim Frühstück. Ich bin gestärkt und beeindruckt“, schreibt ein Pilger im März 2012. Ein anderer, Daniel, bedankt sich im November 2015 mit diesen Zeilen: „Es war für mich eine Freude und Erleichterung, auch noch in der Dunkelheit ein Obdach für die Nacht zu finden. Diese Menschlichkeit hat mir nach einem langen und anstrengenden Tag sehr gut getan. Der Aufenthalt hier im Kloster wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben.“

Im vergangenen Juli haben die Ordensbrüder den 1000. Pilger in ihrem Übernachtungshaus in Werne begrüßt. Dass ihr Angebot so gut angenommen wird, freut die drei Kapuziner, die in einem der ältesten Klöster der Deutschen Kapuzinerprovinz leben, sehr. „Wir fühlen uns durch die Pilger und die Gespräche mit ihnen gestärkt und beschenkt“, sagt Pater Romuald und zitiert Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Das Kapuzinerkloster Werne finden Pilger an der Südmauer 5. Reservierungsanfragen sind telefonisch möglich unter 02389 989660 oder per E-Mail (bitte verlinken mit ).

Text: Beate Spindler
Fotos: © Kapuziner