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Gott sei Dank, war ich nicht zu Hause..........
Kirche und Kloster von Pucón
Für ein paar Tage war ich in Urlaub bei Schwestern am Calafquén See, einem zauberhaften Ort. Am Freitag hatten wir miteinander einen Ausflug gemacht...In der Nacht, nach 3.oo Uhr wachte ich auf...ein temblor!..das gibt es öfters...aber es hörte nicht auf, es gab im Haus ein dunkles Rumpeln, es bebte stark, alles bewegte sich: die Fenster, die Wände, im ganzen Haus war ein tiefes dumpfes Rollen...es gab kein Licht mehr. Bei solchen Gelegenheiten soll man sich unter einen Türsturz stellen, weil die nicht so leicht herunterfallen...ich hörte eine Schwester, wie sie die Haustür öffnete... eine andere Grundregeln bei einem Erdbeben, denn das war es bereits – fast zwei wirklich unendliche Minuten – denn die Türen verspreizen sich leicht und man bleibt eingesperrt. Langsam kamen auch die anderen Schwestern, man sah gut, es war Vollmond. Nirgends mehr elektrisches Licht zu sehen. An Schlafen war nicht mehr zu denken.
Eine Schwester hatte ein kleines Radiogerät mit Batterie, ein einziger Sender funktionierte noch. Da kamen die ersten Nachrichten...anscheinend war das Epizentrum des Bebens nördlich von Concepción, von uns über 500 km entfernt. Und so weit weg spürte man das Beben noch so stark! Es musste also wirklich schlimm gewesen sein und so lang! Per Handy rief mich ein junger Kapuziner an aus San Antonio, südlich von Santiago an der Küste, einem der wichtigsten Häfen am Meer: die Brücke, die die Stadt und den Hafen zum Land verbindet, sei eingestürzt...dann war es nicht mehr möglich mit ihm zu sprechen für ein paar Tage. Mit den Kapuzinern in Concepción konnte man schon nicht mehr sprechen, auch nicht mit Los Angeles. Dann gab es in kurzer Reihenfolge katastrophale Botschaften.....in Santiago zwei berühmte Kirchen am Einstürzen...niemand nähere sich...Brücken seien eingestürzt. Es warten ja hunderte von Bussen auf dem Weg nach und aus Santiago in den Süden, viele Urlauber auf dem Weg. Angst! Sicher gibt es Tote, eingestürzte Häuser... Vor 4.00 Uhr ein starkes Nachbeben...replica..dann mehr, aber schwächer...bis heute immer wieder...wenn es beim Essen ist, oder beim beisammensitzen...stockt das Gespräch, man schaut sich an...jemand sagt „das war wieder ein temblor. Aber Gott sei dank, schwach....“ In der Frühe des Samstag Nachrichten, immer mehr Schäden auf einer Länge von über 1000 km...kein Licht, kein TV, kein Telefon, kein Handy...zu niemand...nur das kleine Radio. Ich musste nach Pucón zum Wochenende – die Ferien waren aus – In Licanray wollte ich Benzin fassen. Keine Tankstelle geöffnet...kein Strom für die Benzinpumpe....dann in Villarrica an allen Tankstellen lange Wareschlangen über 100 m, ich fuhr nach Pucón weiter, auf der Betonstrasse kleine Einbrüche, Polizei, die warnte...in Pucón kein Benzin oder warten...Im Kloster der Kapuzinerinnen alle aufgeregt, alle Blumenstöcke heruntergefallen, Geschirr in Scherben, etliche Heiligenfiguren zerbrochen, kein Strom....Bei den Kapuzinern dann gab es kurz TV mit den ersten Fotos: ganze Straßenzüge voll Schutt....Hausruinen, Giebel eingefallen....am Abend dann das Schlimmste: das Wasser, das Meer war ins Land gestürzt. Tsunami! Auf der Insel Juan Fernandez (Robinson-Insel) 5 Tote, weil sie nicht der Warnung glaubten. Man sprach von Alarm auf der Osterinsel, dann, dass die Wellen in 20 Minuten in Hawaii wären. Mit einer Geschwindigkeit von 600 km die Stunde raste das Wasser über den pazifischen Ozean... In der Pfarrei sind Karmelitinnen, die hier eine Schule betreiben, sie haben eine große Schule in Constitución ca. 100 km nördlich von Concepción, auch am Meer an der Mündung des Flusses Maule. Erst am Samstag nachts erfuhr man etwas von anderen Orten an der Küste außer Concepción. Das Meer drang über 1,5 km in die Stadt ein in einer Höhe von 2 m ungefähr und zerstörte alles auf dem Weg. Die Schule der Schwestern ist in ihrem alten Teil nicht mehr da, ihr Haus zerstört , in der Stadt über 500 Tote....viele Verschollene. Andere kleine Orte an der Küste verschwanden ganz. Bei vielen warnte jemand und die Leute flohen in die Höhen... In Curepto – kam gerade die Notiz – riss das Wasser die Wand einer Gräberwand auf und die Toten schwammen und lagen dann überall herum.. Die Autoritäten waren sehr langsam in ihrer Reaktion. Als Militär eingreifen wollte gegen die Räubereien, schimpften sie die Leute: „...wir sind nicht mehr in der Zeit Pinochets!“ Und das Militär zog sich zurück....Erst spät wurde der Ausnahmezustand ausgerufen und das Militär nahm in Concepción die Sache an sich...Ausgangssperre von Samstag auf Sonntag von 21.00 bis 6.00 Uhr....Gestern von Montag auf Dienstag von 20.00 Uhr bis heute 12.00 Uhr. Die Sache ist sehr ernst geworden durch die Überfalle, Räubereien. In Pucón erzählte mir eine Schwester, ihre Schwester sei auf der Marineschule in Valparaiso. Am Sonntag seien sie mit unbekanntem Ziel eingeschifft worden. Wahrscheinlich zum Einsatz in Concepción. In Villarrica gab es in der ersten Nacht 3 Tote, als ein Berghang auf ein paar Häuser abrutschte und alles zudeckte. In Temuco sind 2 Mädchen gestorben in einer Disco, als eine Mauer einstürzte.... P. Juan Gerhard Bauer ofm.cap. |
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