Berührende Predigt von Kardinal O'Malley bei Priesterweihe

Der Geruch der Schafe soll das Lieblingsparfüm eines Kapuzinerpriesters sein, sagte Kardinal Sean O’Malley am Montag, dem 30. April, bei der Priesterweihe von Br. Thomas Maria Schied in Altötting.

Priesterweihe von Br. Thomas M. Schied durch Kardinal O'Malley.

In seiner Predigt griff der Erzbischof von Boston (USA) das Wort von Papst Franziskus auf, der in einer Ansprache zu Priestern gesagt hatte, dass „der Hirte den Geruch der Schafe annehmen soll“. Der Kardinal, selbst Mitglied des Kapuzinerordens, legte dem Weihekandidaten und den über 40 anwesenden Kapuzinern auch ans Herz, den Menschen gleichzeitig Vater und Bruder zu sein und immer wieder von den „Kleinen Christi“ zu lernen: „Sie sind deine besonderen Schutzbefohlenen und Freunde.“

Der Weihegottesdienst fand in der vor wenigen Jahren frisch renovierten Basilika St. Anna statt. Das große Gotteshaus war gefüllt mit Familienangehörigen, Freunden und Mitbrüdern von Br. Thomas Maria sowie mit Gläubigen aus Altötting und Umgebung. Über 40 Priester, darunter der Altbischof von Passau, Wilhelm Schraml, legten während des eindrucksvollen Ritus dem Weihekandidaten die Hände auf.

„Wir bleiben viel zu oft bei dem verbleibenden einen Schaf“

© Claudia GöpperlKard. Sean O’Malley gehört zur Kapuzinerprovinz von Pennsylvanien, die von deutschen Kapuzinern in den Folgen des Kulturkampfes gegründet wurde. Bei einem Pressegespräch am Montagmorgen hatte der US-Bischof, der am liebsten in der braunen Kutte mit dem weißen Strick unterwegs ist, an seine Priesterweihe erinnert. Mit einem schmunzelnden Blick auf Bayern merkte er an, dass seine Weihekirche weitgehend von der lokalen Brauerei gebaut worden war. Ernster gemeint war jedoch sein Hinweis darauf, dass von den vier Priestern seines Jahrganges drei in die Mission nach Papua-Neuguinea gegangen sind und er selbst zunächst für die Arbeit mit Spanisch und Portugiesisch sprechenden Einwanderern eingesetzt wurde. Im Weihegottesdienst griff er die missionarische Sendung der Priester und der Kirche auf, als er erinnerte, dass im Evangelium von 100 Schafen eines verloren geht, und die Versuchung besteht, bei den verbleibenden 99 zu bleiben. „Heute ist es paradoxerweise umgekehrt. 99 Schafe sind uns verloren gegangen und wir bleiben viel zu oft bei dem verbleibenden einen Schaf.“

Der neugeweihte Priester spendete nach dem Weihegottesdienst in der benachbarten Konradskirche den ersten Segen als Priester. Dazu formten sich lange Schlangen von Gläubigen, die geduldig auf den Primizsegen warteten. Am 6. Mai feiert Neupriester Br. Thomas M. seine Primiz in St. Anton in München. Im Pfarrverband Isarvorstadt hatte er seine Diakonatszeit verbracht. Die Heimatprimiz findet am 27. Mai in Bruchweiler-Bärenbach in der Pfalz statt.

Text: Br. Helmut Rakowski
Fotos: © Claudia Göpperl