Corona-Krise stellt Museum Niaserbe vor große Herausforderungen

Kapuzinermissionar Bruder Johannes Hämmerle hat schwer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen: Das Museum, das er vor 30 Jahren auf der indonesischen Insel Nias aufbaute, musste wie alle Museen weltweit im März schließen. Durch den Wegfall der Einnahmen steht der von der UNESCO hochgeschätzte Museumskomplex mit angegliedertem Zoo vor extremen Herausforderungen.

Während in Deutschland bereits die ersten Museen nach der coronabedingten Schließung wieder öffnen und sich über eine Unterstützung in Höhe von voraussichtlich 10 Millionen Euro seitens der Bundesregierung freuen, sitzt Bruder Johannes mit einem Kopf voller Sorgen, aber einem Herzen voller Hoffnung in seinem Büro im Museum Pusaka Nias in Gunungsitoli. "Alle Standbeine unseres Museums sind weggefallen: Eintrittskarten, Café, Übernachtungen und Miete für Versammlungsräume. Wir haben keine Einnahmen mehr", berichtet der gebürtige Schwarzwälder, der seit 1971 in Indonesien lebt.

Die Kultur des Nias-Volkes retten

Diese Einnahmen deckten bislang alle Kosten des zwei Hektar großen Museumsareals, auf dem 55 Mitarbeiter beschäftigt sind und zu dem neben den Ausstellungshallen ein Park mit Meeresstrand und kleinem Zoo gehört. Das Gelände gilt als grünster und sauberster Flecken der Hafenstadt Gunungsitoli. Sicherlich ein Grund, weshalb im vergangenen Jahr fast 65.000 Besucher hierherkamen. Doch der Ort dient weit mehr als nur der Erholung.

Kapuzinerbruder Johannes Hämmerle (rechts, im Bild mit dem Gouverneur der Provinz Nordsumatra) lebt seit 1971 als Missionar in Indonesien (Foto: Kapuziner)Das Museum Pusaka Nias – übersetzt: Niaserbe – gehört zu den besten Museen in Indonesien und wird Touristen von der UNESCO empfohlen. Die Kapuziner haben das Museum gegründet, weil der kulturelle Reichtum des Nias-Volkes verlorenzugehen drohte. "Wir wollen die Geschichte und Traditionen der Niasser im Bewusstsein der Bevölkerung verankern", sagt Bruder Johannes.

Kapuzinerbruder erforscht seit 40 Jahren das Leben der Niasser

Seit über 40 Jahren erforscht er das Leben der Insulaner, arbeitet mit Architekten und Archäologen zusammen, mit Humangenetikern, Sprachwissenschaftlern und Ethnologen. Er organisiert Schülertage, um Kinder und Jugendliche für ihre eigene Kultur zu begeistern. Heilpraktikern bietet er Seminare in traditioneller Medizin an und Touristen außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten in niassischen Pfalhäusern direkt am Meer. Der angegliederte Park mit Zoo, in dem ausschließlich einheimische Tiere leben wie zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte Nias-Beo, dient der Entwicklung eines Umweltbewusstseins und einer Wertschätzung des eigenen Naturerbes. "Wir wollen zum Beispiel erreichen, dass die Niasser stolz auf den Beo sind, er ist das Wahrzeichen ihrer Insel. Nur so gelingt es uns, den Vogel, den die Einheimischen Magiao (sprich: Mag-i-au) nennen, vor Wilderern zu retten", erklärt Bruder Johannes.

Das von Kapuzinern gegründete Museum Niaserbe zählt zu den besten Museen in Indonesien (Foto: Kapuziner)Um all die vielfältigen Aufgaben kümmert sich der 79-Jährige, der für seine kulturellen Verdienste auf der Insel 2014 eine Auszeichnung vom Kultusministerium der indonesischen Regierung erhielt,  natürlich nicht allein. Als Vorstand der Museumsstiftung arbeitet er eng mit den Angestellten im Museum zusammen. Insgesamt verdienen 55 Insulaner ihren Lebensunterhalt auf dem Areal. "Ein Großteil von ihnen ist seit der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beurlaubt, weil wir schließen mussten. Auf Nias ist bis heute zwar noch kein an Covid-19 erkrankter Patient offiziell bekannt. Aber momentan darf niemand nach Nias einreisen, weder per Schiff noch per Flugzeug", berichtet der Kapuziner. Er fühlt sich für die Belegschaft im Museum verantwortlich. "Wir bezahlen ihre Krankenversicherung weiter. Die Mitarbeiter hoffen auf ihren Lohn, um ihre Familien ernähren zu können."

Doch der Missionar sorgt sich nicht nur um die Mitarbeiter. Er fragt sich auch, wovon er die Tiere im Zoo ernähren soll. "Wir brauchen für Futter jeden Monat rund 1.000 Euro – da sind die Löhne der Tierpfleger noch nicht miteingerechnet", sagt Bruder Johannes.

Das Geld wird knapp, der Missionar hofft weiter

Save Magiao: Der vom Aussterben bedrohte Nias-Beo ist Zootier des Jahres 2020 (Foto: Kapuziner)Die Kapuziner-Kustodie Nias hat keine finanziellen Mittel, um das Museum zu unterstützen. Auch von der indonesischen Regierung erwartet der 79-Jährige kaum Hilfe. Unzählige E-Mails hat der Missionar in den vergangenen Wochen versandt, mehrmals schrieb er die Deutsche Botschaft in Jakarta an. Bislang wartet er noch immer auf Antwort. Die Spenden, die er von Freunden aus seiner deutschen Heimat durch die Missionsprokur zu Weihnachten erhalten hat, versiegen bald. Einziger Lichtblick ist die finanzielle Unterstützung, die Bruder Johannes im Rahmen des Projektes "Zootier des Jahres 2020" für sein Artenschutzprogramm "Save Magiao" bekommt. Doch wann das Geld eintrifft und wie viele Wochen sie damit überbrücken können, ist noch unklar.

"Meine Hoffnung richtet sich vor allem auf das Ende der Corona-Krise, wenn die Bevölkerung von Nias wieder zahlreich unser Museum besuchen wird und wir uns dann selbst tragen können", sagt der Kapuziner. Schon einmal musste er das Museum vor dem Untergang retten. Damals, kurz vor der Eröffnung im Jahr 2005, entstanden durch einen Tsunami und ein gewaltiges Erdbeben sehr große Schäden. Bruder Johannes baute es wieder auf. Er will sich auch durch die Corona-Pandemie nicht unterkriegen lassen. 

Unter dem Titel "Horizonte" erscheint der Jahresbericht der Kapuziner und Franziskanerinnen von ReuteMehr über die Missionsarbeit der Kapuziner in Indonesien, Albanien, Chile und Mexiko erfahren Sie hier sowie im aktuellen Jahresbericht 2019/20.

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Was ist Mission?

Und warum ist Mission uns Christen so wichtig? Über diese Fragen spricht u.a. Bruder Helmut, der viele Jahre als Missionar in Mexiko tätig war. Das Gespräch zum Nachhören im Klosterpodcast PodKap!

Text: Beate Spindler
Fotos: © Kapuziner/Gratiano Telaumbanua