Der Provinzial im Interview: „Das franziskanische Charisma wird niemals aussterben“

Bruder Christophorus Goedereis ist im Juni zum Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz gewählt worden. In der aktuellen Ausgabe des KAPUZINER spricht er über die Herausforderungen seiner Ordensgemeinschaft und die Ziele, die er sich für seine dreijährige Amtszeit vorgenommen hat.

Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz: Br. Christophorus Goedereis

Was sind die größten Herausforderungen für die Deutsche Kapuzinerprovinz in den kommenden drei Jahren?
Br. Christophorus Goedereis:
Die Kirche und die Ordensgemeinschaften stehen in radikalen Umbrüchen, nicht nur aufgrund der demographischen Entwicklung und der sog. Säkularisierung. Wir sind Teil der Welt, die ihrerseits in großen Umbrüchen steht. Ich selber bin jedoch davon überzeugt, dass die großen Themen der Menschheit mehr denn je unser franziskanisches Charisma herausfordern. Wir sprechen in diesem Zusammenhang gerne vom franziskanischen Dreiklang: „Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung“. Damit ist fast schon alles gesagt. Ich glaube, dass die Umbrüche in Gesellschaft, Welt und Kirche in gewisser Weise immer auch „die Zeit der Orden“ sind. Zu den größten Herausforderungen gehört für mich: Im Sinne des franziskanischen Dreiklangs immer wieder neu zu unseren Wurzeln zurückzufinden. (…) vieles aus der Vergangenheit wird sich so nicht weiterführen lassen. Da braucht es viel Sensibilität und zugleich viel Entscheidungsfreude und Umkehrbereitschaft. Wo uns das alles konkret in den nächsten drei Jahren hinführen wird, weiß ich noch nicht.

Was sind deine persönlichen Wünsche für diese Amtszeit bis 2021?
Br. Christophorus Goedereis: 
Dass es uns miteinander gelingt, die Beschlüsse unseres letzten Provinzkapitels vom Juni 2019 umzusetzen. Dazu gehört unter anderem: Uns neu mit den franziskanischen Grundanliegen „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ auseinanderzusetzen und diesbezüglich neue Akzente und Initiativen zu setzen. Dann: Im ganzheitlichen Sinne unseren Lebensstil zu überdenken und an manchen Stellen zu verändern. Und nicht zuletzt: Uns den sich rasant ändernden Rahmenbedingungen kirchlichen Lebens zu stellen und uns dabei franziskanisch neu aufzustellen. Ich bin ja davon überzeugt, dass das franziskanische Charisma niemals aussterben wird. Es hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder neu in die jeweilige konkrete Zeit hineindefiniert. Ich weiß noch nicht, was sich in den kommenden drei Jahren konkret bei uns ereignen wird – aber wenn uns der eine oder andere Schritt in diese Richtung gelingen sollte, bin ich zufrieden.

Das ausführliche Interview, das Br. Thomas Dienberg führte, lesen Sie in der aktuellen Jahresschrift, die Sie hier als PDF herunterladen können. Auf insgesamt 88 Seiten erhalten Sie spannende Einblicke in die Arbeit und das Leben der Kapuziner.

Die diesjährige Ausgabe des Ordensmagazins ist vom „Loslassen“ geprägt: vom Loslassen im Alter, vom Loslassen der Vergangenheit und vom Loslassen einer (zahlenmäßigen) Renaissance des Ordenslebens.

Wer die Jahresschrift KAPUZINER lieber gedruckt in Händen halten möchte, kann ein kostenloses Exemplar per E-Mail anfordern: sekretariat.muenchen(at)kapuziner.org

Redaktion: Beate Spindler
Fotos: © Kiên Hoàng Lê, Kapuziner