Franziskusforscher verabschiedet: Bruder Leonhard Lehmann verlässt Rom

Nach 30-jähriger Lehrtätigkeit in Rom kehrt Bruder Leonhard Lehmann nach Deutschland zurück. In einer feierlichen Stunde verabschiedeten ihn zahlreiche Weggefährten und Freunde. Der Kapuziner gilt als einer der bedeutendsten Franziskusforscher der Gegenwart. Die Wurzeln des 72-Jährigen liegen in Zell am Harmersbach.

Abschiedsvorlesung in Rom: Bruder Leonhard Lehmann

30 Jahre lehrte Bruder Leonhard Lehmann an der Päpstlichen Universität Antonianum franziskanische Spiritualität. Am 28. Mai 2019 wurde der bekannte Franziskusforscher in einer akademischen Feier verabschiedet. Provinzvikar Christophorus Goedereis und Provinzsekretär Helmut Rakowski vertraten die Deutsche Kapuzinerprovinz bei dieser Gelegenheit. Ende Juni kehrt Bruder Leonhard Lehmann nach Deutschland zurück.

Viele Studierende und Weggefährten des 72-Jährigen hatten den Weg in den prachtvollen Festsaal der Franziskaneruniversität in Rom gefunden. Der Generalminister der Kapuziner, Bruder Roberto Genuin, dankte zu Beginn Bruder Leonhard für seinen Einsatz um die franziskanische Forschung und die Ausbildung der Brüder. Schwester Mary Melone, Rektorin der Universität, wies auf die umfangreiche Bibliographie von Lehmann hin. Professorenkollege Bruder Paolo Martinelli, inzwischen Weihbischof in Mailand, würdigte Lehmanns Person und wissenschaftliches Werk: Der Kapuziner ist einer der bedeutendsten Franziskusforscher der Gegenwart. Bischof Martinelli unterstrich, dass es Leonhard Lehmann in seiner Arbeit nie allein um rein historische Erkenntnis ging, sondern immer auch um die Übersetzung der franziskanischen Spiritualität in den Alltag. Wegweisend sind z.B. seine Werke zum franziskanischen Gebet. Viele seiner Artikel wurden in einer 800 Seiten umfassenden Festschrift unter dem Titel „Caritas und Sapientia“ (Liebe und Weisheit) zusammengestellt.

Deutsche Provinz freut sich auf Rückkehr von Bruder Leonhard Lehmann

Feierlich verabschiedet haben Bruder Leonhard (mit rotem Tuch) Generalminister Br. Roberto, Rektorin Sr. Mary, Br. Helmut und Br. Christophorus als Vertreter der deutschen Kapuzinerprovinz, sowie Weihbischof und Professorenkollege Paolo Martinelli und Br. Luca (v. li.)Als Stellvertreter des deutschen Provinzials dankte Bruder Christophorus Goedereis dem Gefeierten dafür, dass er stets die Beziehung zur Mutterprovinz aufrechterhalten habe, und brachte die Freude über die Rückkehr von Bruder Leonhard zum Ausdruck.

In seiner Abschiedsvorlesung griff der Wissenschaftler das Wörtchen „inter“ auf, das Franziskus in seinen Schriften vielfach verwendet. So spricht Franz von Assisi nicht vom Gehen „zu“ den Sarazenen, d.h. den Andersgläubigen, sondern davon, dass die Brüder sich „unter die Andersgläubigen mischen sollen“, diesen untertan sein sollen und bekennen mögen, dass sie Christen sind. Davon ausgehend wies Bruder Leonhard auf die Bedeutung und Chancen der inter-nationalen Ausbildungsstätten in Rom hin und auch auf die Möglichkeiten einer inter-franziskanischen Universität, über die in Rom gerade diskutiert wird.

Nicht zuletzt brachten die Studierenden ihren Dank für die wohlwollende Begleitung des Kapuzinerbruders zum Ausdruck. „Geburtshelfer“ nannte ihn wertschätzend eine ehemalige Doktorandin, „Meister und Lehrer“ ein Mitbruder aus dem Orden.

Redaktion: Beate Spindler
Fotos: © Kapuziner