Heiligabend mit Obdachlosen: „In diesen Momenten merke ich, Gott ist da“

Schuhe, Socken, Duschgel: Es sind alltägliche Dinge, die sich obdachlose und arme Menschen wünschen. Als Geschenk verpackt machen sie den Gästen im Frankfurter Franziskustreff eine große Freude. Und auch die ehrenamtlichen Helfer im Treff erleben durch diese Aktion an Heiligabend ganz besondere Momente.

Das Besondere im Alltäglichen sehen, das Licht in sich und dem Anderen finden: Weihnachten lädt dazu ein

„Ich brauch‘ dringend einen Schlafsack. Eine Isomatte. Einen Rucksack. Ich hätte gerne ein Paar neue Schuhe.“ Mit solchen Wünschen kommen die obdachlosen Gäste an Weihnachten in den Franziskustreff (von der Hessischen Landesregierung jetzt als Initiative des Monats November 2018 ausgezeichnet). Dank großzügiger Spender können die Wünsche erfüllt werden. „Wir haben eine Liste mit 15 Dingen, aus denen sich die Gäste aussuchen können, was sie brauchen“, erzählt Karla Grey, eine der über 50 Ehrenamtlichen im Treff, „und am Morgen des 24. bekommt jeder unserer momentan 165 Gäste dann sein Päckchen. So richtig schön mit Kärtchen und Plätzchen. Ich finde es toll, dass es diese Aktion gibt! Ich war letztes Jahr schon an Heiligabend tätig und ich werde auch dieses Jahr wieder an Heiligabend arbeiten. Das ist ein ganz besonderer Tag.“

Die Weihnachtsaktion im Franziskustreff hat Tradition. Sie spricht sich unter den Gästen rum. Man kann es traurig finden, wie viel Menschen es an dem Nötigsten mangelt: funktionierendes Schuhwerk, Duschgel und Deo für die Morgentoilette. Man kann es aber auch schön finden, dass es großzügige Wohltäter gibt, die mit ihrer Spende ein Licht in der Dunkelheit anzünden.

Diesen positiven Blick hat auch Gregor Merckle, der Hauswirtschafter im Treff: „Weihnachten ist ein Geschenk. Leider wird aus Weihnachten aber viel gemacht, was es gar nicht bedeutet, es wird oberflächlich gehalten.“ Für ihn ist deshalb der Kontakt zu den Menschen die Essenz der Weihnachtsbotschaft: „Wenn ich mit unseren Gästen im Franziskustreff zusammen bin, mit ihnen feiere und die strahlenden Augen sehe, das ist für mich seit Jahren Weihnachten. In diesen Momenten merke ich‚ Gott ist da‘“.

Das weiß auch Gerhard Wächter, einer der regelmäßigen Gäste. Er kommt seit zwei Jahren in den Treff, um eine lebendige Gemeinde zu finden und gute Gespräche zu führen. „Was soll ich denn zuhause alleine?“ Die Stimmung an Weihnachten beschreibt der pensionierte Sicherheitsbeamte als feierlicher. Das Feierlichste für ihn ist aber außerhalb des Treffs zu finden: „Am 24.12. besuche ich meinen Sohn. Der hat an diesem Tag Geburtstag!“

Glücklich, wer – besonders in der Weihnachtszeit – das Licht in sich und dem Anderen findet.

Redaktion: Beate Spindler
Foto: Pixabay