Impuls im Advent: Wie aus plötzlicher Leere Fülle entsteht

Ein kurzfristig geplatzter Termin, der Zug, der wieder mal zu spät kommt: Für Novizenmeister Bruder Bernd Kober sind das genau die Momente im Advent, in denen Neues entstehen kann. Ein Impuls, der dazu einlädt, kleine Pannen in der vorweihnachtlichen Hektik als großes Geschenk zu begreifen.

Innehalten, Nachdenken, Reflektieren: Unerwartete Pausen laden dazu ein, sich selbst und seine Mitmenschen neu wahrzunehmen.

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Die Vermehrung der Online-Shops und der entsprechenden Dienstleister trainiert die Menschen zuverlässig und täglich. Der Mensch wird fit gemacht für den Konsum. Das Leben ist, was ich besitze. Was ich besitze, ist das Leben. Ist es das? Natürlich bemerken nicht wenige, wie diese ständige Stimulierung der Bedürfnisse und Wünsche das Bewusstsein des Einzelnen an der Oberfläche hält. Ständig wird er beschäftigt mit dem Aktuellsten – tiefer sinken kann dabei nur Weniges. Die Zeit fehlt – wer sich Zeit nimmt, verpasst möglicherweise den Anschluss. Ist das so? Und: Welchen Anschluss verpasst er oder sie denn?

Advent heißt: das Ankommende erwarten. Den Anschluss nicht verpassen. Dabei geht es nicht um das selbst Ausgewählte oder Bestellte. Es geht auch nicht um die peinlich eng getakteten und in ihrer Minutenenge geradezu zum Scheitern verurteilten Fahrpläne der Bahn. Im Sinne Jesu geht es um das Unerwartete, Überraschende, Neue. Das, von dem ich noch gar nicht wusste, dass es existiert und bei mir ankommen könnte. So war es schon für die Zeitgenossen Jesu: Ihn hatten sie so nicht erwartet. Und: Sie waren beschäftigt mit Anderem.

Raum für Neues

Mancher ausbleibende Termin, manche verspätete Zulieferung, mancher verpasste Anschluss kann Raum schaffen für ganz Neues. Plötzlich entsteht eine Leere, ein offenes Zeitfenster, eine Wartezeit, in der ich Neues entdecken kann – um mich herum, in mir. Es entsteht in unserem eng getakteten Leben plötzlich die Möglichkeit zum Innehalten und Nachdenken, zum Reflektieren und Nachklingenlassen. Worauf eigentlich warte ich? Wofür lebe ich? Worauf kommt es eigentlich an? Das ist Advent. In diesem Moment könnte ich mich selbst und den Menschen neben mir neu wahrnehmen und entdecken. Und es könnte etwas zu sprechen beginnen, was mit Menschlichkeit zu tun hat – und mit Gott. Das braucht Zeit. Und die Bereitschaft zur Unterbrechung. Dann geschieht Advent.

Text: Bruder Bernd Kober
Foto: Pixabay
Redaktion: Beate Spindler