Aufbruch in eine neue Zeit – Veränderungen in Altötting

Die Gemeinschaft der Kapuziner ist im Umbruch in Altötting. Wie fast alle Orden müssen auch die Kapuziner ihre Kräfte künftig stärker bündeln. Altötting soll dabei ein spirituelles Zentrum bleiben – doch die Präsenz der Kapuziner wird sich verändern. Nun wird aber erst einmal kräftig investiert und die Kirche St. Konrad renoviert und umfassend umgestaltet. St. Magdalena soll in neueb Trägerschaft übergeben werden; derzeit suchen die Kapuziner nach einer neuen Nutzung.

Nach dem Fronleichnamsfest, am 19. Juni, sollen die Arbeiten in St. Konrad beginnen. Der Zeitplan ist stramm, wie Bruder Norbert Schlenker, stellvertretender Wallfahrtsdirektor und Guardian des Klosters St. Magdalena, erklärt. Zehn Monate sind veranschlagt, um den Altarraum der Kirche ganz neu zu gestalten. Alles soll klarer und moderner werden. Und so bekommt auch der 1934 heiliggesprochene Bruder Konrad von Parzham – der einstige Pförtner des Klosters, der sich zu Lebzeiten aufopferungsvoll um die Pilger und Gäste des Klosters kümmerte und sich durch sein vorbildhaftes Leben bereits einen heiligmäßigen Ruf erwarb – einen neuen Schrein.

Bislang ruht Bruder Konrad in einem mächtigen Reliquien-Sarkophag aus Glas direkt unter dem wuchtigen roten Altar, der von einem Baldachin überkrönt wird. Die Reliquien des Heiligen befinden sich in einer 1967 geschaffenen lebensechten Silberfigur von Bruder Konrad, der als Laienbruder von 1849 bis zu seinem Tod 1894 bei den Kapuzinern in Altötting lebte und wirkte. Alles wirkt gedrängt und kompakt in der Apsis des kleinen Gotteshauses.

Nach Entwürfen des Laufener Bildhauers Friedrich Koller wird der Altarraum nun für insgesamt rund 1,5 bis 2 Millionen Euro umgestaltet. Alles wird, aufeinander abgestimmt, aus hellem Kalkstein gefertigt und zum Teil mit goldfarbenen Akzenten betont: der Altar, der Ambo – das Lesepult –, der Tabernakel, in dem die bei der Eucharistie gewandelten und geweihten (konsekrierten) Hostien aufbewahrt werden, ein neues Gehäuse für den Schrein. Alles wird kleiner sein, leichter und luftiger, heller wirken. Die in Kollers Entwurf erkennbaren runden Formen geben dem Ensemble zudem eine harmonische, filigrane Wirkung.

Weil vor allem der Altar und die gesamte liturgische Ausstattung kleiner sein werden, wird nun auch Platz für zwei zusätzliche Bankreihen sein und so mehr Pilgern eine persönliche Andacht und Zeit mit „ihrem“ Heiligen ermöglichen. Alles soll auch für behinderte Pilger gut zugänglich sein. Denn gerade für sie sei es aus seelsorglichen Gründen besonders wichtig, dem Heiligen nahe sein zu können, wie Bruder Norbert dem „Alt-Neuöttinger Anzeiger“ erklärte.

Ein modernes Kruzifix wird künftig über dem Altarraum schweben. An die Stirnseite der Apsis wird statt des bisherigen Ensembles aus Kreuzesdarstellung und Tabernakel ein Relief treten.

Friedrich Koller, der gebürtig aus Salzburg stammt und seit 1959 in Laufen lebt, ist für zahlreiche Werke im kirchlichen und säkularen, öffentlichen Raum bekannt. Zu seinen Arbeiten zählen Werke in St. Bonifaz, dem Benediktinerkloster in München, ein Mahnmal für die Opfer des Bombenanschlags auf das Münchener Oktoberfest 1980, ein mit Treibholz aus dem Mittelmeer gestaltetes Kreuz mit dem Titel „ZUFLUCHT“ für die Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing, liturgische Ausstattungen in der Michaelskapelle der Katholischen Akademie in Bayern, München, und im Salzburger Dom und vieles mehr.


Bis zum kommenden April sollen die Sanierungs- und Umbauarbeiten in der St.-Konrad-Kirche abgeschlossen sein. Dann nämlich wird in Altötting am 21. April das Konradsfest gefeiert, wie jedes Jahr am Todestag des Heiligen. Der neue Altar soll an dem Tag geweiht werden. 2018 feiern die Kapuziner und die Freunde und Verehrer des heiligen Konrad von Parzham zudem den 200. Todestag des beliebten Kapuzinerbruders (22. Dezember).

Die Zukunft von St. Magdalena

Während in St. Konrad die Zeichen auf Aufbruch stehen, stehen sie im Kloster St. Magdalena auf Umbruch. Bereits nach dem letzten Provinzkapitel hatten die Kapuziner bekannt gegeben, dass sie den Standort im Interesse der Zukunftssicherung für den gesamten Orden aufgeben müssen. Das Magdalenenkloster soll in eine andere Trägerschaft übergeben werden.

Weil die Kapuziner angesichts von Nachwuchssorgen und Überalterung – die fast alle Ordensgemeinschaften betreffen – ihre Kräfte bündeln müssen, haben sie sich entschieden, ihren Schwerpunkt in Altötting künftig auf die Wallfahrtsbasilika und die St.-Konrad-Kirche zu legen. Doch was mit St. Magdalena passiert, ist ihnen nicht egal, wie der Provinzial, Bruder Marinus Parzinger, betont.

Seit 1874 sind die Kapuziner in St. Magdalena beheimatet und in Altötting tätig. Wichtig ist ihnen deshalb, auch St. Magdalena Teil des spirituellen Zentrums Altötting bleibt, das Jahr für Jahr rund eine Million Pilger anzieht. So sollen das Kloster und die Klosterkirche auch weiterhin im Dienst der Wallfahrt genutzt werden und spirituelle Orte bleiben. St. Magdalena solle etwa Beichtkirche bleiben, erklärte Bruder Marinus dem „Altöttinger Liebfrauenbote“.

Derzeit beraten die Kapuziner über ein stimmiges Gesamtkonzept, so der Provinzial in der katholischen Wochenzeitung, „sowohl inhaltlich wie wirtschaftlich“. Gemeinsam mit dem Bischöflichen Ordinariat des Bistums Passau soll nach einer Lösung gesucht werden. „Wir sind gesprächsbereit“, betont Bruder Marinus im „Liebfrauenboten“. Vorstellbar seien etwa die Kooperation mit anderen Ordensgemeinschaften oder die stärkere Einbindung von Laien.

Eines ist dem Provinzial der deutschen Kapuziner besonders wichtig, wie er im „Altöttinger Liebfrauenboten“ erklärt: Der Umbruch ist kein Abbruch. „Dieser Ort ist uns wichtig“, betont Bruder Marinus. Und die Veränderungen seien nicht nur negativ: „Wir haben Reduzierung, ja, aber wir entdecken Chancen, die wir vorher nicht gesehen haben.“

Hildegard Mathies

Foto Entwurf der Neugestaltung von St. Konrad: © Friedrich Koller

Fotos St. Konrad und St. Magdalena: © Kapuziner

Redaktion: medienbüro beate schneiderwind, Köln, Tel.: +49(0)160/6763457