Papst in Arabien: Was sein Besuch für die Kapuziner bedeutet

Mit Papst Franziskus besuchte erstmals ein Papst die Vereinigten Arabischen Emirate. Anfang Februar lenkte er durch seine Reise die Aufmerksamkeit auf die Christen der arabischen Halbinsel. Die Verantwortung für die Gläubigen haben die Kapuziner übernommen, die dort bereits seit 1857 als Seelsorger tätig sind.

Im Schatten der Moschee versammeln sich die Christen zum Gottesdienst.

Anfang Februar besuchte mit Papst Franziskus der erste Papst Arabien. Er feierte die erste Messe in Arabien außerhalb einer Kirche. In einem Sportstadium kamen über 100000 Gläubige zusammen, darunter auch rund 4000 Muslime.
Gemeinsam mit dem Kairoer Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb und Vertretern vieler anderer Religionen war der Papst einer Einladung zur Teilnahme an einer Interreligiösen Konferenz gefolgt.  In einem gemeinsamen „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ warben sie für Religionsfreiheit, Frauenrechte und Nachhaltigkeit und sprachen sich gegen Gewalt und Extremismus im Namen Gottes aus.

Zwei Millionen Katholiken leben auf der arabischen Halbinsel

Aus Anlass dieses denkwürdigen Besuchs bemerkte die Welt, dass es auf der arabischen Halbinsel auch Christen gibt. Alleine zwei Millionen Katholiken leben dort, dazu kommen viele weitere christliche Kirchen und Gruppen. Fast alle sind Gastarbeiter, die in den reichen Golfstaaten das Wirtschaftswunder möglich machen. Während in den Emiraten Kultfreiheit besteht, d.h. andere Religionen in den zugewiesenen Kirchenbezirken ihre Gotteshäuser bauen und Gottesdienste feiern dürfen, erlaubt Saudi-Arabien noch nicht einmal den Besitz einer Bibel oder das Kreuz in der eigenen Wohnung.

Bischof Paul Hinder ist Schweizer Kapuziner. Seit 2005 leitet er das Apostolische Vikariat von Südarabien. 1857 haben die Kapuziner die Verantwortung für die Christen auf der arabischen Halbinsel übernommen und vor 130 Jahren wurde das Apostolische Vikariat Arabien gegründet. Noch um das Jahr 1950 lebten in diesem riesigen Gebiet nur 6000 Katholiken, zumeist Kaufleute und Diplomaten aus Europa. Mit den Petro-Dollars und dem Wirtschaftsboom kamen die Gastarbeiter und mit ihnen die Christen. Die beiden größten Gruppen der zwei Millionen Katholiken bilden Philippiner und Inder. Bruder Helmut Rakowski war 2013 in seiner Aufgabe als Generalsekretär für die missionarische Animation in Abu Dhabi. Während der Karwoche erlebte er die Vitalität dieser Immigrantengemeinde. Am Ostersonntag gab es auf dem Gelände der St. Josefs-Kathedrale in Abu Dhabi 19 Messfeiern in 14 verschiedenen Sprachen. Um den Menschen einen Seelsorger in ihrer eigenen Sprache anbieten zu können, wurde Arabien mittlerweile ein internationales Projekt der Kapuziner. In den insgesamt 23 Pfarreien wirken aber auch Weltgeistliche und Mitglieder anderer Ordensgemeinschaften. Ordensschwestern sind im Schuldienst aktiv und unterstützen die Menschen, die in Not geraten sind. Auch eine deutsche Gemeinde gibt es, die Pfarrer Reinhold Sahner begleitet.

Herausforderungen für Kapuzinerbischof Paul Hinder

Zum apostolischen Vikariat von Bischof Paul Hinder gehört auch der Jemen. Dort hatten im März 2016 mutmaßliche Islamisten bei einem Anschlag auf ein Altenheim 16 Menschen getötet, darunter vier Schwestern aus dem Orden der Mutter Theresa. Damals war ein indischer Priester entführt worden, der erst 18 Monate später wieder freigelassen wurde. Immer wieder weist der Bischof auf den vergessenen Krieg im Jemen und die humanitäre Krise dort hin.

Vor dem Papstbesuch mahnte Bischof Paul einen stärkeren Dialog der Religionen an. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte er: "Ich denke, dass gerade im Blick auf Konfliktsituationen vermehrte Zusammenarbeit unter den Religionen absolut nötig ist, wenn wir nicht auf eine Katastrophe zugehen wollen."

Für die Katholiken in Arabien war der Papstbesuch eine Ermutigung. Die Welt, aber auch die Bevölkerung besonders in den Arabischen Emiraten hat sie wahrgenommen. Für den Dialog der Religionen war es ebenfalls ein wichtiger Schritt, der hoffentlich mehr Verständnis und Einsatz für den Frieden bringt.

Text: Br. Helmut Rakowski
Fotos: © Kapuziner
Redaktion: Beate Spindler