Kapuziner wählen neue Leitung: Provinzkapitel startet am 2. Juni

Die Deutsche Kapuzinerprovinz feiert vom 2. bis 7. Juni ihr Provinzkapitel. 72 wahlberechtigte Brüder aus ganz Deutschland treffen sich im schwäbischen Reute, um eine neue Provinzleitung zu wählen und die Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Mit dabei sind die Brüder mit zeitlichen Gelübden sowie Gäste und Berater. Leiter der Ordensversammlung ist Generalrat Br. Pio Murat aus Rom.

Im März trafen sich bereits einige Kapuziner im Kloster Reute, um das Provinzkapitel vorzubereiten.

Der ehemalige Abt der Schweizer Benediktinerabtei Einsiedeln, P. Martin Werlen OSB, wird zum Auftakt einen geistlichen Impuls geben. Dafür nehmen sich die Kapitulare den Montagvormittag Zeit. Nach sechs Jahren endet mit der Wahl eines Nachfolgers die Amtszeit von Br. Marinus Parzinger als Provinzial. Die Ordenssatzungen begrenzen die Amtszeit der Oberen auf zweimal drei Jahre.

Br. Stefan M. Huppertz veröffentlichte im Pfarrbrief des Pfarrverbandes Isarvorstadt in München folgende Gedanken zum Kapitel:

Natürlich ist die Kirche keine Demokratie! Und gleichzeitig ist es natürlich gut, dass es in ihr demokratische Strukturen und Prozesse gibt. In der franziskanischen Ordenswelt gehören Kapitel, also die Versammlung der Ordensmitglieder zur Wahl der Leitung und zur Absprache der „Politik“ der nächsten Jahre, seit 800 Jahren fest dazu. Damit gehören franziskanische Ordenskapitel mit zu den ältesten demokratischen Strukturen, die es ununterbrochen gibt.

Der heilige Franziskus versammelte seine Mitbrüder jährlich zu Pfingsten in Assisi, um in Gebet, brüderlichem Austausch und Diskussion den jungen Orden gut auf dem Weg der Nachfolge Christi zu halten. Zu Franziskus‘ Lebzeiten kamen dort etwa 5000 Brüder zusammen, was auch logistisch im ausgehenden Mittelalter eine beachtliche Leistung darstellte.

Die franziskanischen Männerorden treffen sich nun alle drei Jahre. Auch heute geht es darum, eine neue Leitung zu wählen, Entscheidungen zu treffen, brüderlich und geistlich gemeinsam auf dem Weg zu sein. Nach den Kapiteln dreht die neue Leitung jeweils das „Personalkarussell“. In der Regel ist es üblich, nach sechs oder neun Jahren wieder aufzubrechen, um „Pilger und Fremdling“ zu bleiben, wie es der heilige Franziskus formuliert hat. 

Unsere Kapuzinerprovinz feiert ihr Kapitel im Juni im Kloster Reute bei Ravensburg, wo wir im Bildungshaus der Franziskanerinnen ausreichend Platz für fast 80 Brüder finden. Die zweite Amtszeit von Br. Marinus Parzinger als Provinzial, also Ordensoberer der Deutschen Kapuzinerprovinz, endet, so dass wir einen neuen Provinzial und einen neuen vierköpfigen Provinzrat zu wählen haben. Der neue Provinzial und sein Rat haben dann die Entscheidungen des Kapitels umzusetzen und dafür Sorge zu tragen, dass die einzelnen Klöster, Konvente und Mitbrüder gut geistlich leben und arbeiten können. Dazu gehören auch Personalentscheidungen.

Redaktion: Beate Spindler
Foto: © Kapuziner