Klostergarten in Münster: Lernort für einen nachhaltigen Lebensstil

Die Kapuziner in Münster haben ihren Klostergarten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Zuge der rund zweijährigen Umgestaltung des Gartens entstand inmitten der Stadt eine grüne Oase, die nicht nur durch ihre alten Obst-, Gemüse- und Kräutersorten beeindruckt, sondern auch ein bemerkenswertes Veranstaltungsprogramm zu bieten hat.

Der Klostergarten der Kapuziner in Münster

Zwischen Mauern aus Natursteinen duften an die 150 verschiedene Kräuter, darunter Exoten wie Ananas-, Pfirsich- oder Johannisbeersalbei. In den Gemüsebeeten gedeihen über das Jahr hinweg 200 verschiedene Gemüsesorten, allein bei den Kartoffeln sind es acht. Auf den Obstwiesen wachsen Kirschen, Pfirsiche, Quitten und über 60 Apfelsorten – zum Großteil solche, die man sehr selten und wenn überhaupt nur noch auf alten Bauernhöfen in der Region antrifft wie beispielsweise den Dülmener Herbstrosenapfel. Unter den Obstbäumen zeigt sich eine bunte Blütenpracht von Wildblumen, ein idealer Ort für Insekten und die vier Bienenvölker des Klosters, die dort ihre Nahrung finden.

Klostergarten in Münster: Wertvoll wie ein Schatz

Der 1,5 Hektar große Garten der Kapuziner, der in seiner Ursprungsform seit Mitte des 19. Jahrhunderts existiert, beeindruckt in vielerlei Hinsicht. Wer über das Gelände spaziert und sich dabei von den Stationen des Sonnengesangs des Heiligen Franz von Assisi leiten lässt, vorbei an dem kleinen Wäldchen und dem Friedhof, versteht, warum ein Klostergarten zu den wertvollsten Räumen einer Ordensgemeinschaft gehört – hier spiegelt sich die Faszination der Schöpfung wider.   

Bis 2015 hatte sich Bruder Konrad Zanger um den Garten gekümmert. Doch als der 78-Jährige in seine Heimat im Schwarzwald zurückkehrte, stellte sich die Frage: Was tun mit der Anlage? "Schnell war klar, dass der Klostergarten in seiner Größe und Lage einen kleinen Schatz darstellt, den es zu heben galt", erinnert sich Bruder Bernd Beermann, der Guardian des Kapuzinerklosters in Münster.

Gründung der Interessensgemeinschaft "Kapuzinerklostergarten Münster"

Eine Herausforderung, die für die Ordensgemeinschaft unmöglich alleine zu bewerkstelligen war. Deshalb suchten sich die Kapuziner Partner:

  • die Alexianer-Werkstätten, die durch ihre Erfahrungen im Garten- und Landschaftsbau tatkräftig bei der Umgestaltung anpackten und sich nun vom Säen bis zum Ernten um die eigentliche Gartenarbeit kümmern;
  • das Kompetenzzentrum für christliche Spiritualität an der PTH Münster (IUNCTUS) und das Institut für Theologische Zoologie, die gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und den Kapuzinern ein Bildungs- und Veranstaltungsprogramm entwickelt haben, das zu einem bewussten und dankbaren Umgang mit der Schöpfung anregt;
  • die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, die rund 80 Prozent der bislang berechneten Kosten übernimmt.

Eine grüne Oase inmitten der Stadt Münster

Kapuzinerklostergarten in Münster: Eine Oase der RuheSeit Mitte April 2018 ist der neugestaltete Klostergarten nun für jeden zugänglich. Allein während des Katholikentags im Mai kamen nach Angaben von Bruder Bernd rund 700 Besucher in den Garten – einige von ihnen nahmen an geführten Exkursionen teil, andere besuchten Workshops wie "Spiritual Gardening", Kinder bastelten Samenbonbons und Bienenkarten und lernten nebenbei, warum Bienen so wichtig sind.

"Seit der Eröffnung des Klostergartens haben wir deutlich mehr Besucher auf unserem Gelände", sagt Bruder Bernd. Den Leiter des Kapuzinerklosters in Münster freut das: "Wir wollen die alten Gemüse-, Obst- und Kräutersorten erhalten und ihre Bedeutung für Mensch und Natur einem größeren Publikum näherbringen." Die Bewahrung der Schöpfung ist für den Kapuziner ein Thema, mit dem sich jeder Einzelne auf der Welt auseinandersetzen sollte. "Nur wenn man den Wert der Pflanzen und Geschöpfe kennt und ihn schätzen lernt, geht man achtsam mit ihnen um", sagt er.

Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Kapuzinerklostergarten in Münster: Seltene Obst- und KräuterartenBruder Bernd trägt auf seine Weise dazu bei: Einmal im Monat veranstaltet er "Gartenführungen mit einem Sinn", bei denen es darum geht, seine Sinne zu nutzen und zu schärfen. Im Mai fokussierte er sich aufs Hören und erkundete gemeinsam mit einer Gruppe die Naturgeräusche im Klostergarten. Am 16. Juni geht es ums Sehen, am 7. Juli ums Riechen. Für Mariä Himmelfahrt am 15. August plant Bruder Bernd eine Kräuterführung, bei der jeder dazu eingeladen ist, einen Kräuterstrauß zu binden und ihn anschließend im Rahmen einer Eucharistiefeier segnen zu lassen.

Wer Interesse an individuellen Führungen hat (auch für Kindergartengruppen, Schulklassen, Vereine etc.), kann die Kapuziner gerne telefonisch (0251 92760) oder per E-Mail kontaktieren. Über Veranstaltungen informiert die neue Website des Klostergartens. Hier finden sich außerdem detaillierte Beschreibungen und Fotos der Pflanzen und Tiere, die im Klostergarten anzutreffen sind.

Text: Beate Spindler
Fotos: © Kapuziner