Nach Tod von George Floyd: Wie ein Kapuziner die Proteste in den USA erlebt

Nach dem rabiaten Tod des Afroamerikaners George Floyd eskaliert der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Bruder Thomas Skowron, der nach dem Abschluss seines Theologiestudiums in Münster im Herbst 2019 in die USA gegangen ist, bekommt die Ausschreitungen hautnah mit. Für den 35-Jährigen sind die Unruhen keine Überraschung.

Rassismus und Gewaltbereitschaft der Polizisten gegenüber der schwarzen Bevölkerung seien allen im Land bekannt, berichtet der Kapuziner. Jetzt aber gebe es eine seltsame Mischung aus Wut und Protest gegen Diskriminierung auf der einen und einer blinden Aggression auf der anderen Seite. Bruder Thomas weist aber auch darauf hin, dass wir jetzt nicht einfach mit dem Finger auf die Vereinigten Staaten zeigen dürfen. Auf seinem Blog schreibt der junge Kapuziner:

„Es ist einfach, in diesem Konflikt Fronten aufzuzeigen. Aber vielleicht ist es doch etwas komplizierter?“ Rassismus und Diskriminierung gebe es nicht nur in den USA. „Fragt arabisch aussehende Männer in Deutschland, Frankreich, sonst wo in Europa, wie oft sie völlig ohne Grund von Polizisten angehalten und ausgefragt werden. Sie werden nicht sofort verprügelt oder umgebracht, aber das passiert hier (Anm.: in den USA) auch nicht jeden Tag.“ Bruder Thomas, der in Polen geboren ist, hat selbst Erfahrung mit Fremdenfeindlichkeit gemacht. „Als Mensch mit Migrationshintergrund musste ich in meinem Leben leider auch Diskriminierung, Hass und sogar Gewalt erleben. Ja, das war in Deutschland und vor gar nicht so vielen Jahren. Ich kenne Afrikaner aus Deutschland, die mir erzählen, dass sie sich auf den Straßen wie im Zoo fühlen, weil sie von vielen Leuten wie Affen angestarrt werden. Oder wie Menschen in Flüchtlingsheimen zusammengepfercht werden! Vom Lager Moria will ich gar nicht erst reden. Die Muster sind häufig so ähnlich — sie äußern sich nur unterschiedlich.“

Auf seinem Blog berichtet der junge Kapuziner, der in Chicago und Milwaukee zunächst in die Corona-Krise und jetzt in die Unruhen in Folge des gewaltsamen Todes von George Floyd geriet, über seine Erfahrungen im Mittleren Westen der USA.

Foto: Kapuziner
Redaktion: Beate Spindler