Generalminister besucht Kapuziner in Deutschland: „Nicht alle haben diesen Mut“

Als eine „solide Provinz“ hat Generalminister Bruder Mauro Jöhri die Gemeinschaft der Kapuziner in Deutschland bezeichnet. Am Ende seines zweiwöchigen Besuchs lobte er die deutschen Mitbrüder für ihre Art, zu planen und Entscheidungen zu treffen.

Gespräche in München während des Besuchs des Generalministers Br. Mauro Jöhri (2. v. li.).

Überalterung und Nachwuchsmangel fordern die Kapuziner wie viele andere Orden in Deutschland und Europa heraus. Damit das Erbe der Ordensgründer erhalten bleibt, sind Umstrukturierungen zu bewältigen. Umstrukturierungen, die in der Vergangenheit bereits die Schließung von Klöstern wie zuletzt das in Rosenheim erforderten. „Die deutschen Mitbrüder zeichnet aus, dass sie sehr clever planen und offen miteinander darüber sprechen, welche Häuser und Aufgaben sie priorisieren. Ich wünschte mir, dass es in vielen anderen Provinzen auch so wäre, aber nicht alle haben diesen Mut und diese Fähigkeit“, sagte Bruder Mauro Jöhri, der oberste Kapuziner der weltweiten Ordensgemeinschaft. Er war im Februar mit dem für Nordeuropa zuständigen Generalrat, Bruder Pio Murat, nach Deutschland gekommen. Gemeinsam besuchten sie in Begleitung des deutschen Provinzials, Bruder Marinus Parzinger, die Konvente in Ingolstadt, Altötting, Zell, Deggingen, Stühlingen, Münster, Werne, Frankfurt und München.

Mobilität fordert zum Umdenken in den Ordensprovinzen

Im Vordergrund standen dabei vor allem die Themen, die beim Generalkapitel vom 26. August bis 16. September in Rom zur Diskussion stehen und für die deutschen Kapuziner besonders relevant sein werden. Hinsichtlich der Ausbildung beschäftigt die Gemeinschaft insbesondere die Frage, nach welchen Kriterien sie künftig in den Orden einführen sollen. „Wir sind dabei, einen Gesamtplan zu entwerfen, der auf dem Generalkapitel besprochen wird“, sagte Bruder Mauro und erklärte mit Blick auf Deutschland: „Wir müssen schauen, dass die jüngeren Mitbrüder, die bei uns eintreten, sinnvolle Aufgaben erhalten wie zum Beispiel in Frankfurt Liebfrauen. Ich denke dabei aber auch an Stühlingen, wo die Brüder und Schwestern Laien aufnehmen, um sie für eine bestimmte Zeit an ihrem Leben teilhaben zu lassen.“

Ebenso wichtig für den Generalminister wie für die Brüder in Deutschland sei die Frage der personellen Solidarität: Wenn Brüder aus Indien oder aus anderen Kontinenten in die Deutsche Provinz kommen, sich hier einleben und Aufgaben übernehmen, in manchen Fällen auch auf Einladung eines Bischofs in Pfarreien tätig werden, seien klare Regeln erforderlich, u. a. um das Miteinander trotz kultureller Unterschiede zu fördern. „Eines unserer wichtigsten Kriterien ist das der Gemeinschaft. Deshalb wollen wir, dass Brüder zum Beispiel aus Indien nicht einzeln, sondern mindestens zu dritt nach Deutschland kommen“, erklärte der Generalminister. „Wir müssen uns außerdem verstärkt mit der Frage des Territoriums auseinandersetzen und klären, was es heißt, wenn eine andere Provinz auf dem Territorium einer bestehenden Provinz ein Haus, also einen Konvent, eröffnen will – bis jetzt ist das an und für sich nicht möglich. Durch die Mobilität, die heute vorhanden ist, müssen wir die bisherigen Regeln überdenken und neue aufstellen, damit die Einheit des Ordens auch in Zukunft gewährleistet ist.“

Generalminister Br. Mauro Jöhri: "Deutschland ist eine solide Provinz"

Mit einem Gefühl großer Zufriedenheit und Dankbarkeit verabschiedete sich der Generalminister am 23. Februar von seinen deutschen Mitbrüdern. „Von den Provinzen nördlich der Alpen ist Deutschland eine solide Provinz“, sagte Bruder Mauro. „Sie hat wie andere Provinzen mit Nachwuchsmangel zu kämpfen, aber es ist immer noch eine Gruppe von Brüdern da, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, die Verantwortung übernehmen und gute Arbeit leisten. Und dann gibt es auch ein paar Brüder aus Indien, die sich sehr gut hier eingefügt haben und die Gemeinschaft mittragen, das ist erfreulich.“

Der 70-jährige Generalminister, der am Ende seiner zweiten und damit letzten Amtszeit steht, wird schon in wenigen Wochen erneut nach Deutschland kommen: zum Hochfest des Heiligen Bruder Konrad in Altötting am 21. und 22. April, das in diesem Jahr ganz im Zeichen der Wiedereröffnung der Klosterkirche St. Konrad mit Altarweihe steht.

Text: Beate Spindler
Fotos: © Kapuziner