"Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!" (Victor Hugo)

"Ich trete meine neue Stelle nicht als Einzelkämpfer an. Da gibt es die Brüder im Konvent, da gibt es das Seelsorgeteam und da gibt es die Gruppen in der Pfarrei und in der Stadt. Das hört sich für mich total spannend an. Da freue ich mich drauf."

In einem Interview, zu seiner Diakonweihe, erzählt  Br. Thomas M. Schied von seinen Hoffnungen und Wünschen für die Zukunft.

Br. Thomas M. Schied mit seinen Eltern Benno und Elisabeth Schied aus Bruchweiler-Bärenbach; ©Foto: Br. Thomas Skowron

Wie ging es Ihnen am Tag der Diakonenweihe? Waren Sie aufgeregt oder war es, kurz nach der Ewigen Profess, ein weiteres schönes Fest?

Die Feier der Diakonenweihe war für mich – wie auch schon die Feier der Ewigen Profess –  ein sehr schönes und berührendes Ereignis. Ich werde sicher noch lange und gerne daran zurückdenken. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man nach all den Jahren der Vorbereitung vor den Bischof und auch vor die Brüdergemeinschaft treten darf und dann sagen kann: Ich bin bereit. Für mich war der Gedanke sehr wichtig, dass ich mich in Dienst nehmen lasse.  Gerade bei der Diakonenweihe wird das ja sehr deutlich. Es geht nicht um einen Status oder einen besonderen Stand. Ich stelle mich zur Verfügung – und die Verantwortlichen nehmen mich an zum Dienst an Gott und den Menschen.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben von diesem Tag?

 Die eigentliche Weihehandlung war für mich ein sehr dichter Moment. Der Bischof legte mir schweigend die Hände auf und sprach anschließend das Weihegebet. Ich musste in diesem Augenblick nur da sein. Ich durfte etwas an mir geschehen lassen. Dieses Ritual finde ich unglaublich schön. Es wird deutlich, dass Berufung vor allem Geschenk ist. Etwas, das man nicht zu hundert Prozent selbst machen kann.

 Besonders gefreut habe ich mich natürlich darüber, dass bei der Profess und bei der Weihe Menschen dabei waren, die mir wichtig sind. Familie, Freunde, Mitbrüder – ich gehe meinen Weg nicht allein, und ich brauche gute Beziehungen und Freundschaften. Das ist etwas sehr Kostbares und es hat mir gutgetan, dass sie da waren.

Was ist der nächste Schritt?

Zurzeit klingen die Feierlichkeiten noch nach. Das darf sich alles erst noch etwas setzen, bevor es für mich dann ab August in München weitergeht. Nach den Jahren der Ordensausbildung und des Studiums, steht jetzt die Versetzung in unseren Konvent St. Anton an. Dort werde ich zunächst als Diakon im Seelsorgeteam des Pfarrverbandes Isarvorstadt mitarbeiten. Die Diakonatszeit wird für mich vor allem eine Zeit der Vorbereitung auf meinen Dienst als Priester sein. Ich gehe davon aus, dass wir die Priesterweihe dann im kommenden Jahr feiern können.

Wo liegt nun Ihre Aufgabe? Wo werden Sie tätig sein?

Ich freue schon mich sehr auf die neuen Aufgaben und bin gespannt, was mich in der Pfarrseelsorge erwartet. Es wird viel Neues auf mich zukommen und es gibt viel zu lernen. Ich wünsche mir, dass ich gut Fuß fassen kann. Kapuziner sein, Diakon sein, Seelsorger sein – das verbinde ich erstmal mit dem Bild der Gemeinschaft. Ich trete meine neue Stelle nicht als Einzelkämpfer an. Da gibt es die Brüder im Konvent, da gibt es das Seelsorgeteam und da gibt es die Gruppen in der Pfarrei und in der Stadt. Das hört sich für mich total spannend an. Da freue ich mich drauf.

Seelsorge heißt aber auch, seinen Blick für den Einzelnen zu schärfen. Mit Menschen im Gespräch zu sein oder einfach zuzuhören. Vielleicht dort, wo das Leben gerade nicht glatt läuft. Vielleicht dort, wo die kleinen und großen Kreuzungen des Lebens zu gestalten sind. Da sein – zuhören – begleiten. Ich weiß noch nicht genau, wie man ein guter Seelsorger werden kann. Dazu braucht es mehr als die „Trockenübungen“ in der Ausbildung. Dazu braucht es die Erfahrung in der Praxis. Das steht für mich jetzt an. Und darauf möchte ich mich in den nächsten Monaten einlassen.

Und was ist Ihre Hoffnung/Ihr Wunsch für die Zukunft des Ordens?

Hat der Kapuzinerorden in Deutschland eine Zukunft? Diese Frage begegnet einem ab und zu. Diese Frage stellen wir uns als Kapuziner natürlich auch selbst. Die Entwicklungen in den letzten Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Wir werden weniger. Die Gemeinschaft wird kleiner. Das geht extrem schnell. Wir haben schon eine ganze Reihe von Klöstern aufgelöst und vermutlich werden da noch weitere folgen. Was heißt das für unsere Zukunft?

Das heißt zunächst einmal, dass wir Vertrautes loslassen müssen. Das ist für viele Brüder sehr schmerzhaft. Aber, wir sind auch herausgefordert, nach neuen Ansätzen zu suchen. Ich glaube daran, dass es weitergeht! Anders als früher. Anders als gewohnt. Deshalb wünsche ich mir von uns als Gemeinschaft, dass wir diese Herausforderung mutig annehmen und gestalten. Es muss Freiräume geben, wo Ideen wachsen können, wo etwas Neues entstehen kann. Es braucht dazu unter den Brüdern eine Atmosphäre, in der Inspirationen konkretisiert werden können. Dazu kann jeder etwas beitragen. Unsere Gemeinschaft lebt doch davon, dass sich Brüder vom Geist Gottes entflammen lassen und diese Freude nach außen strahlen. Das war tatsächlich schon immer so. Und das ist unsere Chance für die Zukunft. Ich möchte dem Heiligen Geist etwas zutrauen. Ich würde noch keinen Haken hinter die Geschichte der Kapuziner in Deutschland machen. Da sind noch Überraschungen drin. Warten wir es ab! Mich ermutigt dabei der Satz, der Victor Hugo zugeschrieben wird: Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!

Das Interview führte Hildegard Mathies.
Redaktion: Beate Schneiderwind