Zwischen Mut und Staunen: Chilemissionar Juan Bauer feiert goldenes Priesterjubiläum

Am 29. Juni 1969 wurde P. Juan Bauer zum Priester geweiht. Fünf Jahre später ging er in die Araukanermission nach Chile. Im vergangenen Sommer hielt P. Othmar Noggler die Festpredigt bei dessen Goldenem Priesterjubiläum. Wir zitieren daraus.

Als P. Juan vor 45 Jahren in die Mission nach Araukanien/Chile ging, wusste er sich der ursprünglichen Bevölkerung des Landes, ob christlich oder nicht, besonders verpflichtet. Er begegnete dabei dem Volk der Mapuche, dem von der Republik Chile sein Land und seine Würde geraubt worden war. Ihm sollte endlich der Platz als Volk eingeräumt werden, der ihm in der Kirche und in der chilenischen Gesellschaft zusteht.  
Die Kapuziner hatte P. Juan schon auf dem elterlichen Hof in Böhmfeld bei Eichstätt kennengelernt. Dort beim „Kapuzinerbauer“ lagerten die Sammelbrüder die erhaltenen Spenden zwischen, die dann mit dem elterlichen Fuhrwerk ins Kapuzinerkloster Eichstätt gebracht wurden. Für den Bauernbuben eine Gelegenheit, Stadt und Kapuziner zu erkunden.

Für die Eltern von neun Kindern war klar, dass nur eines ihrer Kinder den Hof übernehmen kann, die anderen einen Beruf erlernen mussten. Ein Studium war durchaus eine Möglichkeit und auch eine Berufung zum Kapuziner wurde mitgetragen. Dafür musste der Volksschüler Hans Bauer zunächst jedoch nach Dillingen aufbrechen. Später wechselte er nach Regensburg, wo im Eingangsbereich des Kapuzinerseminars eine Missionsausstellung die faszinierende Welt Araukaniens zeigte. Täglich ging der Gymnasiast an den Figuren einer Familie in typischer Kleidung, an einem präparierten Condor und einem ausgestopften Puma vorbei. Vielleicht wurde hier der Wunsch geweckt, all das in der Realität zu erleben.

Aus Hans wird Frater Gerhard

Pater Juan ist Kapuziner und Missionar in Chile (Foto: Kapuziner)Nach dem Abitur folgte der Eintritt in den Orden. Aus Hans wurde Frater Gerhard, dann kam das Studium und schließlich 1969 in Eichstätt die Priesterweihe. Damals lag in der bayrischen Kapuzinerprovinz die „Araukanermission“ immer noch in der Luft. Das Apostolische Vikariat hatte sich insgesamt gut entwickelt. Pastorale und soziale Dienste waren erfolgreich. Und der Zeit voraus, fanden sich Frauen und Männer, die auch ohne sonntägliche Messe Gemeinden geistlich lebendig hielten. Auch das erst 1958 geschaffene Noviziat für Kapuziner zeigte erste Früchte. Als letzter bayerischer Kapuziner brach P. Gerhard Bauer nach Chile auf.

Seine Vorbereitung als Missionar bei den Mapuche-Indianern bekam er in Kenia und Tanzania, wo er mit der „Bantu-Philosophie“ des Franziskaners Placides Tempels in Berührung kam. Dieser hatte 1945 in einem bahnbrechenden Buch ein generelles Umdenken von Europäern, auch von Missionaren, in der Begegnung mit einheimischen, schriftlosen Völkern gefordert. Für den künftigen Indianermissionar, ein wichtiger Hinweis besonders für seine Begegnung mit dem Mapuchevolk.

Sein Einsatz in Chile begann kurz nach dem Putsch des Generals Pinochet in einer von Angst und gegenseitigem Misstrauen vergifteten Zeit. Im Kampf gegen den Kommunismus schien - von Washington unterstützt - jegliche Scheußlichkeit gerechtfertigt.

Als Missionar geht Pater Juan nach Chile

Für die Kirche Chiles war es auch eine Zeit, auf die sie stolz sein darf. Die 1968 in Medellín formulierte „vorrangige Option für die Armen“ hatte in Chile durch den Staatstreich Pinochets 1973 eine besondere Bedeutung. Mit dem „Vikariat der Solidarität“ bot die Kirche juristischen Beistand für Verfolgte durch die Militärregierung, Hilfe für Gefangene, technische und wirtschaftliche Unterstützung für die Familien Inhaftierter, Hilfe bei der Suche nach Verschwundenen. Als die Regierung Pinochet Indianerland, das bis dahin geschützt war, zum Kauf freigab, reagierten die Bischöfe mit einem deutlichen Hirtenbrief, unter ihnen auch der Apostolische Vikar von Araukanien, Bischof Sixtus Parzinger.

P. Juan, wie er jetzt in Chile heißt, hat sich in dieser Zeit ebenfalls durch Mut ausgezeichnet: Als einem Exilchilenen, der als Fotograf und Designer für den sozialistischen Präsidenten Allende Plakate gestaltet hatte, in Deutschland der Antrag auf politisches Asyl abgelehnt wurde, zögerte Juan Bauer nicht, in der deutschen Botschaft auf die Gefahr für Leib und Leben des Geflüchteten aufmerksam zu machen. Nicht ungefährlich in den damaligen Verhältnissen.

Tief beeindruckt von der indianischen Spiritualität

Juan Bauer ist tief beeindruckt von der indianischen Spiritualität, die in der Verbindung mit der Botschaft Jesu eine fruchtbare Zukunft für das Individuum wie für das ganze Volk Chiles bieten kann. Ein prägendes Erlebnis war für ihn die Initiationsfeier einer jungen Frau als Machi. Machis wissen sich in erster Linie für das geistige Wohl einer Region, einer Großfamilie zuständig und verbinden mit ihrem morgendlichen Beten die irdische Gemeinschaft mit dem Himmel. An ihrer Berufung haben auch Missionare der ersten Generation aus Bayern nicht gezweifelt und zudem gerne ihre heilkundlichen Dienste in Anspruch genommen. Besonders nachdenklich stimmte den Neuling aber eine fast zufällige Begegnung mit einer Machi. Sie war feierlich gekleidet und auf dem Weg zur Messe. P. Juan kam mit ihr ins Gespräch und fragte nebenbei auch, ob sie verheiratet sei. Die Antwort klingt in ihm bis heute nach: „Ich habe nicht geheiratet, denn ich bin berufen, die Krankheiten und Leiden meines Volkes zu heilen.“

In der Pfarrei Padre Las Casas begann unser Missionar seinen Dienst. Später wirkt er in verschiedenen Pfarreien, als Oberer im Orden, kommt glaubhaft mit seinen Mitbrüdern gut zurecht. Als der Generalminister Pascal Rywalski mit Chile das erste multikulturelle Gebilde einer Kapuzinerprovinz in Angriff nimmt, erhält er wohl seine heikelste Aufgabe: Die Zusammenführung von Bayern, Spaniern, Belgiern, Niederländern, Schweizern, Mapuche, Hulliche und Chilenen zu der einen, chilenischen Kapuzinerprovinz.
Wo immer Juan Bauer auch wirkt und welche Aufgabe er hat: Als Priester und Missionar wirbt er in franziskanischer Bescheidenheit mit dem Gedanken des hl. Paulus für die Einheit in Vielfalt: „Ihr alle seid einer in Christus.“  

Redaktion: Br. Helmut Rakowski
Fotos: Kapuziner

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