


Einen guten Draht zu den Bauarbeitern hat der Br. Jose Antony Vettikatte (rechts), Guardian des Kapuzinerkonvents im ehemaligen Franziskanerkloster.
Ingolstadt (DK) Baulärm hallt durch die Gänge. Maurer verputzen, Schreiner hobeln, Maler streichen. Nach über zwei Jahren neigen sich die Umbauarbeiten im ehemaligen Franziskanerkloster dem Ende zu. Gut 15 Handwerker arbeiten mit Hochdruck, damit die Renovierung noch im Sommer Geschichte ist.
"Der Großteil des Klosters ist fertig", sagt Bruder Jose Antony Vettikatte vom ansässigen Kapuzinerkonvent. Die Zellen im zweiten Geschoss seien schon beziehbar. Bald auch die Räume, in die in zwei Wochen der Sozialdienst katholischer Frauen einziehen will (siehe gesonderter Bericht). "Die werden auf jeden Fall fertig", versichert der indische Mönch. Er ist der so genannte Guardian des Klosters, eine Art Chef. Bis Ende August, Mitte September soll der Umbau-Spuk dann vorbei sein. "Pforte und Eingangsbereich bis Ende Juli", versichert Jose.
Danach sieht es allerdings noch nicht aus: An den Wänden im Westflügel des Erdgeschosses klaffen Löcher und Schlitze, Kabel hängen von der Decken und dort, wo einmal der Briefkasten sein soll, ist ein großes Loch in der Wand.
"Das Schlimmste liegt aber alles hinter uns", sagt Bruder Siegbert Mayer, der seit anderthalb Jahren beim Ingolstädter Kapuzinerkonvent ist. Er hält kurz inne. "Wir sehnen uns danach, dass es zu Ende geht." Während der Renovierungsarbeiten sind die vier Kapuzinermönche des Ingolstädter Konvents im Canisiuskonvikt untergebracht. "Das war ganz praktisch für uns", sagt Jose. Trotzdem sei er "wirklich froh", dass der Umbau bald zu Ende ist.
Jose öffnet die Tür zur Hauskapelle: ein schlichter, lichtdurchfluteter Raum ganz in Weiß; an der Decke ranken Stuckblumen entlang. Die Möblierung ist spartanisch. Ein Tisch, ein Pult, ein Kniebänkchen mit zwei Stühlen. Die restlichen Stühle fehlen noch, und eine Holzwand soll noch eingebaut werden. "Gegen den Hall", erklärt der Guardian. Es ist still in diesem Teil des Klosters. "Hier hört man überhaupt nichts von der Stadt, obwohl wir mitten drin sind", sagt Jose. "Das war auch ein Grund, warum wir hier eingezogen sind." Er selbst war der erste Kapuziner des Konvents in Ingolstadt. Er kam schon im Dezember 2005. In der Bibliothek im Obergeschoss des Südflügels, zwischen dunklen, historischen Bücherregalen ist provisorisch ein Flachbildfernseher aufgebaut, davor stehen bunt gemischte Stühle. Die Fußball-Weltmeisterschaftsecke der Kapuzinermönche. Bruder Jose lächelt ertappt. "Ich habe auch eine indische Fahne" sagt er und deutet auf die ein Deutschlandfähnchen, das vom Lampenschirm baumelt.
Das Buchenparkett im Osttrakt, der bald dem Sozialdienst katholischer Frauen als neues Zuhause dienen soll, ist von staubig-weißen Schuhabdrücken übersäht. Eine Handvoll Putzfrauen kämpft gegen Staub und Dreck an, während ein Maurer nur ein paar Meter weiter die letzten Löcher in den Wänden verputzt. Die Kapuziner freuen sich schon auf ihre neuen Nachbarn vom Sozialdienst, "weil dann Leben da ist, in diesem Kloster", sagt Jose, als er bedächtigen Schritts zwischen den künftigen Büro- und Beratungsräumen entlang geht. Die ersten Möbel stehen schon. Es gibt auch Besprechungs-, Medien- und Serverräume.
Weit bescheidener geht es im Nordflügel zu, in dem auf 750 Quadratmetern die Klausur untergebracht ist. Dort sind vier schlichte Wohnräume für Mönche: Schreibtisch, Bett, Regal, Sitzgruppe und Waschbecken. "Bei uns Kapuzinern soll ein Zimmer einfach sein", sagt Jose. Es gibt auch fünf Gästezimmer für andere Mönche, Freunde und Menschen, die das Ordensleben kennen lernen möchten. "Oder Pilger", schiebt Bruder Jose nach. "Erst vorgestern war einer aus Schottland auf dem Weg nach Jerusalem da – zu Fuß", erzählt der Kapuziner.
Grund für die Renovierung war vor allem der unzureichende Brandschutz, der wegen der vielen Holzkonstruktionen "enorm schwierig" zu realisieren war, wie Architekt Berhard Fürnrieder vom Diözesanbauamt Eichstätt erklärt. Außerdem wurde die Wärmedämmung verbessert sowie Elektrik und das Heizungssystem mit Fernwärme erneuert. Die Gesamtkosten lagen bei etwa 2 920 000 Euro.
Michael Kraus, donaukurier.de donaukurier.de, 03. Juli 2010

