
Am 27. Juli 2010 rief Gott der Herr unseren lieben Bruder
Massäus Dick OFMCap
in sein ewiges Reich.
Am 7. Juli 1924 erblickte Stephan Eduard Dick – wie er mit seinem Taufnamen hieß - in Weipert (Böhmen, heute Veyprty, Tschechische Republik) das Licht der Welt. Er wuchs in seiner Familie mit weiteren vier Geschwistern auf. Am 19. Juli wurde er in der Allerheiligenkirche in Weipert (Diözese Prag) getauft. Nach der Volksschule erwarb er in seiner Heimat den Gesellenbrief als Tischler. Gleich nach seiner Gesellenprüfung im Jahre 1943 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen und zum Einsatz an die Ostfront geschickt. Nach der Kriegsgefangenschaft durch die drei Besatzungsmächte ist er am 16. Dezember 1946 entlassen worden und zu seiner Familie nach Eglharting bei München heimgekehrt. Seine Angehörigen wurden dort nach der Vertreibung aus Böhmen einquartiert.
Am 29. Dezember 1946 trat er in Altötting in den Orden der Kapuziner ein. Das Noviziat begann er am 24. August 1947 in Eichstätt und legte ein Jahr später die zeitlichen Profess ab. Am 8. September 1951 feierte er in seiner Brüdergemeinschaft in Eichstätt die ewige Profess und war von da an 33 Jahre in den Diensten als Schreiner, Sakristan und Pförtner in München St. Anton eingesetzt. Zum 1. September 1984 wurde er zu eben diesen Diensten für weitere 21 Jahre an den Wallfahrtsort Blieskastel in der Saarpfalz versetzt.
Nachdem die Kapuziner 2005 die seelsorgerische Betreuung der Wallfahrt zu „Unserer Lieben Frau mit den Pfeilen“ an die Franziskaner- Minoriten übergaben, kam Massäus auf das Käppele nach Würzburg. Eine schwere Depression zwang ihn nun zu mehrmonatigen Klinikbesuchen. Nach einem kurzen Aufenthalt im großen Konvent St. Magdalena in Altötting siedelte Massäus 2007 in das Pflegeheim St. Joseph der Schwesternschaft des Dritten Ordens in München Nymphenburg um. Auch von hier aus musste er mehrmalige Krankenhausaufenthalte auf sich nehmen. Drei Wochen vor seinem Tod wurde Bruder Massäus wieder einmal in das angrenzende Klinikum des Dritten Ordens verlegt. Seine lebenserhaltenden Körperfunktionen versagten ihre Dienste. Er war in den letzten Tagen so geschwächt, dass er nicht mehr sprechen, sich nicht mehr bewegen konnte. Sein Leben entschwand. In der Nacht am 27. Juli 2010, um 2.00 Uhr früh, nahm ihn der Herr zu sich in sein Reich.
Bruder Massäus starb im 86. Lebens- und im 53. Ordensjahr.
Es gibt Menschen, die ähnliches erleben mussten. In diesen Tagen erinnern sich die Münchner an die berühmte Volksschauspielerin Liesl Karlstadt, die vor 50 Jahren starb. In ihrem Leben hatte sie bis zum Schluss an tiefen Depressionen zu leiden. Die beliebte Volksschauspielerin, die mit ihrem Bühnenpartner Karl Valentin die Menschen mit ihrem hintergründigem Humor begeisterte, musste mit den dunklen depressiven Seiten der menschlichen Seele zurechtkommen. Ihr Leben und ihre Darstellungen aber werden unvergesslich bleiben.
Wir Brüder Kapuziner haben mit den Menschen in und um der Pfarr- und Klosterkirche St. Anton und dann dem Wallfahrtsort Blieskastel einen frohen und menschlich nahen Mitbruder erlebt. Da war ein Kapuzinerbruder, den man gerne in seiner Arbeit, im Dienst an der Pforte, der Sakristei oder in seinem erlernten Beruf als Schreiner in seine Werkstatt erleben mochte. Mit einem spitzbübischen Lächeln lud er ein, seine Krippen anzuschauen, die er aus unterschiedlichen Materialien mit einem Talent für das Originelle baute. Man konnte seine Freude spüren, wenn er stolz seinen Kirchenschmuck zeigte. Eine besondere Fähigkeit war seine Fotographie. Bruder Massäus hinterlässt traumhafte Fotos. Seine Begeisterung für die Schöpfung Gottes hat fasziniert, ebenso die Abenteuerlust, Gottes Welt zu erleben. Er dürfte wohl wenige Viertausender in den Alpen geben, die Massäus nicht mit seinen Freunden erstiegen hätte - im Gepäck eine Kamera, mit der er kostbare Augenblicke einfing. In seinen sonstigen freien Stunden war er entweder damals von St. Anton aus in den Isarauen unterwegs; und dann sah man ihn in Blieskastel, in Gummistiefel im Sumpf entlang der Blies waten. „Sommerliche Blütenpracht“ hieß dann ein Diavortrag, mit dem Massäus begeistert hat. Er konnte mit seinen Augen, mit seiner Sichtweise, wie er vor allem die kleine, unscheinbare und verborgene Welt in den Blick nahm, faszinieren.
In seinen letzten fünf Lebensjahren war ein Schatten auf seiner Seele. Tiefe Schübe der Depression schränkten sein Leben ein. All das, was ihn in seinen Lebensjahrzehnten begeistern konnte und mit dem er so vielen Menschen Freude schenkte, verlor für ihn Wert und Sinn.
Und hier kommt wohl der Völkerapostel Paulus zu Wort, der in seinen eigenen Lebensbedrängnissen schreibt: „Was kann uns trennen von der Liebe Christi?“ Wenn einem alles genommen wird, was uns im Leben Freude macht, wenn das Leben nur noch eine Zumutung ist: die Liebe Christi bleibt! So schenke ihm der Herr, unser Gott, unserem Mitbruder und allen Bedrängten ein befreites und ewiges Leben. Und das, was froh war im Leben unseres Bruders, was er schenken konnte, wird seinen Wert nicht verlieren.
In Dankbarkeit für das Leben unseres Bruders nehmen wir Abschied
Wir werden den Leib unseres Bruders Massäus Dick am Donnerstag, 29. Juli 2010, im Klosterfriedhof in St. Anton in München bestatten.
Das Requiem feiern wir in der Antoniuskirche vorher um 11.30 Uhr.
