Kapuziner-Solidarität


Während der Führung in der Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Anna


Ein Dutzend deutschsprachige Kapuziner, die als Missions-Prokuratoren oder Missions-Informatoren tätig sind, trafen sich zu ihrem jährlichen Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung in Augsburg (30. November – 4. Dezember 2009).

„Unser Orden gibt viel Geld aus für die 1657 Brüder in Ausbildung. Doch dies ist eine gute Investition. Denn die Ausbildung dauert fünf bis sechs Jahre. Nachher stehen die Brüder während 40 oder mehr Jahren im Dienste von Kirche und Gesellschaft.“ Dies betonte der polnische Mitbruder Piotr Komorniczak, in der Generalleitung des Ordens in Rom mitverantwortlich für den Bereich „Wirtschaftliche Solidarität“.
Schon seit Jahren steht auch das Thema „Personelle Solidarität“ auf der Traktandenliste dieser Treffen. Es geht um die Möglichkeit, Brüder aus dem Süden in die nördlichen, vom Personalmangel geprägten Provinzen zu holen. Ziel sei, nicht bloss Lücken zu stopfen, wurde dazu in Augsburg betont. Vielmehr sollten die ausländischen Brüder ihr eigenes Charisma in das Leben unserer Ortskirchen einbringen.

Ökumenische Begegnung

Eine eindrückliche ökumenische Begegnung erlebten die Kapuziner in der Augsburger St. Anna-Kirche. Die evangelisch-lutherische Stadtdekanin Susanne Kasch hob das Verbindende der Konfessionen hervor. Mit dem Hinweis auf ein Bild mit der Aussage „Bei uns gibt es keinen Zwang im Glauben“ meinte die Pfarrerin: „Wenn wir in unserer gemeinsamen Geschichte darnach gehandelt hätten, wäre uns vieles erspart geblieben.“

Sie leide unter der „ökumenischen Grosswetterlage“, gestand Susanne Kasch und führte einige unerfreuliche Beispiele aus dem kirchlichen Alltag an, zum Beispiel im Bereich der Mischehe. So sei einer protestantischen Mutter anlässlich der Erst-Kommunion ihres Kindes nahe gelegt worden, doch endlich zur katholischen Kirche zu konvertieren.

Machtlose Kirche

Der bayerische Kapuziner Othmar Noggler gab einen spannenden Rückblick auf das kurz vorher in Madrid (4. bis 8. November 2009) durchgeführte Kapuziner-Symposium über die Säkularisierung. Diese sei positiv gewertet worden, meinte er: „Sie bringt die Kirche dorthin, wo sie hingehört, in die Machtlosigkeit und Bescheidenheit.“

Walter Ludin, Kapuziner