Interview
Bruder Harald Weber

FOTO: KAPUZINER/RAUSER

BR. HARALD WEBER

ist Aus­bil­dungs­lei­ter der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz und lei­tet den Kon­vent des Klos­ters zum Mit­le­ben in Stühlingen.

9. Febru­ar 2021

„Lebenslanges Lernen ist wichtig für Ordensleute“

Kapu­zi­ner Harald Weber ist Aus­bil­dungs­lei­ter der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz. War­um Bru­der Harald lebens­lan­ges Ler­nen für wich­tig hält und wel­che Ent­wick­lun­gen es im Novi­zi­at gibt, sagt er im Interview.

Bru­der Harald, Sie sind „Aus­bil­dungs­lei­ter“ der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz. Was bedeu­tet das?

Das ist eine gute Fra­ge, denn es gibt nicht das eine spe­zi­el­le The­ma, son­dern vie­le Din­ge, die inein­an­der­grei­fen. Ein­fach gesagt geht es dar­um, das The­ma der Aus­bil­dung inner­halb des Ordens zu stär­ken und alle ver­ant­wort­li­chen Akteu­re zu vernetzen.

Was ver­ste­hen Sie unter dem Begriff „Aus­bil­dung“?

Wenn wir von Ordens­aus­bil­dung spre­chen, dann reden wir über eine stän­di­ge Aus- und Wei­ter­bil­dung. Die Grund­aus­bil­dung, die vom Pos­tu­lat bis zum Juni­o­rat geht, soll uns als Kapu­zi­ner zu Män­nern machen, die ein Leben lang am Ball blei­ben und immer an sich arbei­ten. Lebens­lan­ges Ler­nen ist wich­tig für Ordensleute.

Wie bringt man die Mit­brü­der dazu, sich fortzubilden?

Wenn ein gan­zes Leben ver­säumt wur­de, sich fort­zu­bil­den, dann wird es in die­sem Fall natür­lich schwer. Und es gibt auch ganz unter­schied­li­che Typen, was das Bedürf­nis nach lebens­lan­gem Ler­nen angeht. Ich wün­sche mir ein Bewusst­sein dafür in der Pro­vinz und bei mei­nen Brü­dern und möch­te dafür sor­gen, dass genü­gend attrak­ti­ve Ange­bo­te zur Fort­bil­dung bestehen. Wenn es gute Mög­lich­kei­ten gibt, wer­den die­se auch genutzt, da bin ich mir sicher.

Was sind das für Wei­ter­bil­dun­gen, kön­nen Sie Bei­spie­le nennen?

Es geht auf der einen Sei­te dar­um, spi­ri­tu­ell am Ball zu blei­ben. Bei­spie­le sind Exer­zi­ti­en oder spi­ri­tu­el­le Beglei­tung. Kapu­zi­ner sol­len in der Lage sein, sich und ihr Han­deln zu reflek­tie­ren und auch Hil­fe in Anspruch zu neh­men. Und auf der ande­ren Sei­te gibt es ganz hand­fes­te, inhalt­li­che The­men in ganz kon­kre­ten Arbeits­be­rei­chen, etwa pas­to­ra­le Fort­bil­dun­gen oder das Erler­nen einer Fremdsprache.

Sie sind auch Ver­bin­dungs­mann nach Came­ri­no. Dort absol­vie­ren ange­hen­de Kapu­zi­ner seit kur­zem ihr Novi­zi­at, zur­zeit drei jun­ge Deut­sche, ein Fran­zo­se und ein Italiener.

Came­ri­no ist das ers­te Klos­ter unse­res Ordens und seit vie­len Jah­ren das gemein­sa­me Novi­zi­at der mit­tel­ita­lie­ni­schen Pro­vin­zen. Wir haben als deut­sche Kapu­zi­ner­pro­vinz in den letz­ten Jah­ren gemerkt, dass es für uns schwie­ri­ger wird, aus­rei­chend und pas­sen­de Aus­bil­der und eine gute Anzahl an Kan­di­da­ten zu fin­den. Es ist wich­tig, in der Aus­bil­dung im Aus­tausch mit ande­ren Per­so­nen glei­chen Alters zu ste­hen, das konn­ten wir mit einer natio­na­len Lösung nicht mehr gewähr­leis­ten. Dar­um haben wir uns ent­schie­den, unse­re deut­schen Novi­zen in Zukunft nach Ita­li­en zu schicken.

Die drei sind nun Gast in einem ita­lie­ni­schen Novi­zi­at. Wür­de es auf Sicht Sinn erge­ben, ein gemein­sa­mes, neu­es Pro­jekt aufzusetzen?

Ja, das ist eine Idee des Gene­ral­mi­nis­ters in Rom. Sein Plan ist, in Euro­pa drei län­der­über­grei­fen­de Novi­zia­te zu schaf­fen. Ob das so rea­li­sier­bar ist, wer­den die Dis­kus­sio­nen in der nächs­ten Zeit zei­gen. Ein inter­na­tio­na­les Novi­zi­at in Euro­pa ist auf jeden Fall eine inter­es­san­te Option.

Was lernt man eigent­lich im Noviziat?

Das Novi­zi­at ist die zwei­te Aus­bil­dungs­stu­fe nach dem Pos­tu­lat, dem Ken­nen­ler­nen. Das Novi­zi­at ist ein sehr inten­si­ves Ein­le­ben in die kapu­zi­ni­sche Lebens­art, so wür­de ich es for­mu­lie­ren. Der wich­tigs­te Punkt: Die Kan­di­da­ten sol­len in eine gute und nach­hal­ti­ge Got­tes­be­zie­hung fin­den. Und dann geht natür­lich auch um eine Wis­sens­ver­mitt­lung: Die Brü­der ler­nen dort viel über Fran­zis­kus, die Sat­zun­gen und die fran­zis­ka­ni­sche Spi­ri­tua­li­tät. Nicht zuletzt geht es um den All­tag als Kapu­zi­ner: Die Novi­zen leben in einem Kon­vent und arbei­ten im Haus­halt und Gar­ten mit, sind also als Kapu­zi­ner im Kon­vent vor Ort voll eingebunden.

Wie vie­le Novi­zen schlie­ßen eigent­lich den Weg der Aus­bil­dung am Ende mit der Ewi­gen Pro­fess, also der end­gül­ti­gen Bin­dung an den Orden, ab?

Ich wür­de sagen, dass knapp die Hälf­te am Ende die ewi­gen Gelüb­de ablegt.

Wor­an liegt es, dass eini­ge die Aus­bil­dung abbrechen?

Das hat sehr unter­schied­li­che und indi­vi­du­el­le Grün­de. Eini­ge tun sich sehr schwer, eine ver­bind­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen. Man­che wol­len sich zu 100 Pro­zent sicher sein und schei­tern dann an die­sem Anspruch. Ein wich­ti­ges The­ma ist auch das The­ma Frust und Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz. Wie geht jemand damit um, wenn es die Gemein­schaft nicht schafft, sei­nen Idea­len zu 100 Pro­zent zu ent­spre­chen? Die Fra­ge nach Sexua­li­tät und Bezie­hun­gen ist natür­lich auch eine Fra­ge, die jeman­den durch die Aus­bil­dung – und im Übri­gen auch in der Zeit danach – beglei­tet und zu einer Ent­schei­dung gegen den Orden füh­ren kann.

Sie haben als Aus­bil­dungs­lei­ter über lebens­lan­ges Ler­nen Ihrer Brü­der gespro­chen: Was ist eigent­lich Ihr per­sön­li­ches Pro­jekt zurzeit?

Ich habe vor weni­gen Mona­ten eine Fort­bil­dung begon­nen für Men­schen, die in der Kir­che Lei­tungs­funk­tio­nen über­neh­men. Und auf lan­ge Sicht wür­de ich sehr ger­ne eine Exer­zi­ti­en­meis­ter-Aus­bil­dung machen.

Bru­der Harald, dan­ke für das Gespräch!

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